Wirtschaft : Mineralwasser wird teurer

Brunnen unter Kostendruck / Durst auf Mineralwasser nimmt wieder zu BERLIN (dw).Mineralwasser wird teurer.Wolfgang Stubbe, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) kündigte am Donnerstag in Berlin Preiserhöhungen von bis zu 50 Pfennig pro Kasten an.Der Kostendruck mache Korrekturen des Preisniveaus nunmehr "dringend erforderlich".Relativ gut habe die wetterabhänigige Branche jedoch den verregneten Sommer des letzten Jahres überwunden.Der Pro-Kopf-Verbrauch sei mit rund 90 Litern weiterhin auf hohem Niveau geblieben.Der Umsatz der Branche sei nur geringfügig von 4,8 auf 4,7 Mrd.DM gesunken.Daß die Mineralbrunnen auch "wetterunabhängig" Chancen auf größere Zuwächse haben, zeige die Entwicklung in den Neuen Ländern und Berlin, wo der mengenmäßige Absatz ein kräftiges Plus von 4 Prozent aufwies. Im Export hatte die Brunnenbranche jedoch einen größeren Einbruch hinzunehmen.1996 wurden 14,1 Prozent weniger Wasser exportiert als noch im Jahr zuvor.Die mittelständische Struktur - in Deutschland gibt es 244 Mineralbrunnen - verhindere eine stärkere Exportorientierung, sagte Stubbe.Qualitative Nachteile habe deutsches Wasser nicht.Im Gegenteil.Viele deutsche Sorten hätten eine bessere Mineralienzusammensetzung als bekannte Marken aus Frankreich.Marken wie Perrier oder Evian würden häufig nur aus Imagegründen stärker nachgefragt. Stubbe zeigte sich optimistisch, daß die Bundesdeutschen in diesem Jahr wieder häufiger einen kräftigen Schluck aus der Flasche nehmen.Im ersten Quartal sei der Absatz bereits um 2,2 Prozent gestiegen, in den Neuen Bundesländern sogar um 14,3 Prozent.Man erwarte auch einen heißeren Sommer als im vergangenen Jahr, sagte Stubbe.In den Monaten Juli und August verkaufen die Brunnen etwa ein Viertel ihres gesamten Jahresabsatzes.Mineralwasser mit normalem Kohlensäuregehalt steht mit einem Marktanteil von 67 Prozent in der Gunst des Käufers am höchsten.Stille Wasser erfreuten sich aber steigender Beliebtheit, stellte Stubbe fest.Sie hätten sich inzwischen einen Marktanteil von 27 Prozent erobert.Der Marktanteil von Heilwasser sei auf 4,9 Prozent gefallen. Andreas Rottke, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) bezeichnete die niedrige Mehrweg-Quote in den Neuen Bundesländern als alarmierend.Während bundesweit die gesetzlich vorgegebene Quote von 72 Prozent erfüllt sei, liege sie im Osten mit 58,53 Prozent noch deutlich darunter.Die Genossenschaft werde sich verstärkt dafür einsetzen, die Vorteile des Mehrwegsystems deutlich zu machen.Der ostdeutsche Einzelhandel müsse einsehen, daß der Kunde einer Pfand- und Mehrwegflasche einen Grund mehr habe, in das Geschäft zurückzukehren.Auch die ökologischen Vorteile seien offensichtlich.Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von sieben Jahren ersetze eine 0,7-Literflasche das Fassungsvermögen von 100 Getränkedosen.Rottke kündigte die Einführung einer neuen 1-Liter-Mehrwegflasche aus PET für Quell- und Tafelwasser an.Anders als Mineralwasser ist Tafelwasser kein Naturprodukt, sondern eine hergestellte Mischung verschiedener Wasserarten, die keine ernährungsphysiologischen Wirkungen haben muß.

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