Wirtschaft : Mit dem Auerhahn in die Champions-League

EBERHARD LÖBLICH

Das letzte, was Henry Maske sah, war ein Auerhahn, scherzt man in Wernigerode.Denn den Boden des Rings, den Maske als Verlierer seines letzten Kampfes verließ, zierte der Harzer Vogel, den die Hasseröder Brauerei schon seit Jahrzehnten im Firmenlogo führt."Sport ist unser Bier", trommelt die traditionsreiche Brauerei in eigener Sache, und sie trommelt seit 1990 zunehmend erfolgreich.Entgegen dem Branchentrend können die Ostharzer Bierbrauer steigende Ausstoßzahlen verzeichnen.Quasi aus dem Nichts hat das örtliche Management den Ostharzer Gerstensaft zur fünftgrößten Biermarke im deutschen Markt aufgebaut.

Einen Ausstoß von gerade mal 150 000 Hektoliter hatte die Hasseröder Brauerei, als sie 1990 von der Gilde AG aus Hannover übernommen wurde.Hasseröder war zunächst eine rein im Ostharz vertriebene Regional-Marke.Bei der Privatisierung war die Marke, gemessen am Ausstoß, unter den 1200 deutschen Biermarken allerdings immerhin schon auf Platz 150.Seither wuchs der Bierausstoß kontinuierlich, auf 2,2 Mill.Hektoliter im Jahr 1998 und ist damit längst in die Champions-League der nationalen Biermarken aufgestiegen."Gemessen am reinen Verkauf von Flaschen und Dosen im Lebensmittel-Einzelhandel haben wir mit Hasseröder jetzt einen bundesweiten Marktanteil von vier Prozent", rechnet der Marketing-Chef der Gilde-Gruppe, Peter Lehna, vor.Auch Branchenprimus Warsteiner kann im nationalen Markt der Biere nur einen Anteil von gerade 6,8 Prozent für sich verbuchen.Unter den Aktionären gilt die Ostharzer Brauerei längst als das Lieblingskind der Gruppe.Denn die hatte 1998 insgesamt "nur" einen Ausstoß von 3,9 Mill.Hektolitern, fast zwei Drittel davon kamen aus dem Ostharz.Ähnlich hoch dürfte der Anteil der Wernigeroder Bierbrauer am Gesamtüberschuß der Gruppe in Höhe von 27,2 Mill.DM liegen.

Konsequentes Marketing nicht nur in eine überregionale Öffentlichkeit, sondern auch und vor allem in die Region und in die eigene Belegschaft hinein nennt Lehna als Erfolgsrezept des Hasseröder-Managements, das innerhalb der Gruppe recht weitreichende Handlungsvollmachten hat."Das geht gar nicht anders, weil unsere Biermarken am Markt auch im Wettbewerb untereinander stehen."

Bei der Privatisierung im Jahr 1990 sind aller 180 Mitarbeiter übernommen worden.Von den inzwischen mehr als 300 Mitarbeitern sind nach wie vor über 90 Prozent aus der Region Ostharz.Und auch der Löwenanteil der Investitionsmittel, die die Gruppe für ihr jüngstes Kind im Ostharz bereitstellte, floß in Unternehmen der Region.140 Mill.DM waren zunächst in die Modernisierung der alten Betriebsstätte im Wernigeröder Ortsteil Hasserode investiert worden.Als die dann aber aus allen Nähten platzte und eine weitere Expansion nicht möglich war, weil alle angrenzenden Grundstücke bebaut waren, zogen die Bierbrauer an den Ortsrand der Harzstadt und invesierten in den vollständigen Neubau einer Brauerei noch einmal rund 140 Mill.DM.

Vergangenheitsbewältigung und Ost-West-Konflikte waren verpönt, sagt Lehna, "wir wollten den Leuten vor Ort bewußt das Gefühl geben, aus eigener Kraft etwas Positives zu schaffen".Und ihr Produkt sehen die Mitarbeiter in positivem Licht, dem Management ist nicht bekannt, daß ein Mitarbeiter das ihm zustehende Kontingent an Haustrunk von 45 Litern Premium Pilsener verfallen gelassen hätte."Unsere Zielgruppe sind Biertrinker, deshalb verzichten wir beim Marketing, folglich auch beim Sport-Sponsoring, auf Scheinwelten", sagt der Marketing-Chef.Die Biermarke Hasseröder habe bei allem wirtschaftlichen Erfolg den Ruf der Bodenständigkeit und wolle ihn auch behalten.

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