Wirtschaft : Mit dem Sixpack nach Balkonien

1,6 Milliarden Balkon- und Beetpflanzen werden pro Jahr in Deutschland verkauft – jetzt beginnt die Hauptsaison

Daniel Rhee-Piening

Geranien“, sagt Manuela Rück, Abteilungsleiterin bei Pflanzen-Kölle. Geranien, gefolgt von Geranien und außerdem noch Geranien – so sieht die Hitliste der Bau- und Gartenmärkte aus, wenn es darum geht, welche Balkonpflanze sich am besten verkauft. Und weil der Balkonbesitzer Abwechslung mag, kauft er sie längst nicht mehr nur in Rot. Im vergangenen Jahr waren orange und lachs bei trendbewussten Geranienpflanzern angezeigt, in diesem Jahr soll eine Sorte namens Fireworks den Umsatz entfachen. Der weniger experimentierfreudige Geranienfreund bleibt auch in diesem Jahr bei weiß, pink oder rosa. Die Geranie ist in jeder Farbe eine gute Entscheidung: Sie ist robust, anspruchslos und zurzeit konkurrenzlos günstig: Das Basismodell bei Aldi, zum Beispiel, im Sixpack für 3,49 Euro.

1,2 Milliarden Balkon- und Beetpflanzen werden im Jahr in Deutschlands Gartenbaubetrieben gezogen, dazu kommen 400 Millionen Pflanzen, die aus dem Ausland eingeführt werden. Zur Pflege werden Pflanzkübel, Kästen, Blumenerde und Dünger in Milliardenwert benötigt. Gekauft wird vor allem im Frühling.

Für die Auswahl der Balkonpflanzen ist die Lage des Balkons wichtiger als die Lieblingspflanze, gibt Annette Fender, Geschäftsführerin des Gartencenters Bajon am Spandauer Damm zu bedenken. Auf windigen Balkonen und Terrassen sind hochwachsende oder hängende Pflanzen ungünstig, da sie leicht abbrechen. Starke Sonne verbietet Petunien. Geranien oder Strohblumen dagegen wachsen prima. Fleißige Lieschen, die bei Bajon 0,99 Euro kosten, und Männertreu (0,65 Euro) bevorzugen Nordwestbalkone.

Eigene Zitrusernte

Doch nicht nur preisgünstige Blumen für den Kasten werden gekauft. Im Trend sind auch Minibäume. Weil Zitrusfrüchte im Winter draußen nicht überleben, in geheizten Räumen aber ebenfalls eingehen, sind heimische Obstbäume im Mini-Format unter Naturfreunden im Augenblick sehr beliebt. Wer die Bäumchen (die zwischen 49,50 und 80 Euro kosten) kauft, muss sich allerdings auf entsagungsreiche Jahre und ein bisschen Arbeit einstellen: Denn erstens ist auch bei kleinen Bäumchen die Nachbarschaft wichtig – die Frage, ob eine Bestäuberpflanze auf den Nachbarbalkon wohnt, entscheidet darüber, ob es überhaupt eine Ernte gibt. Und zweitens müssen die Bäumchen regelmäßig beschnitten werden.

Bei der Pflanzenhändlerin Fender verkauft sich vor allem der winterharte Bambus sehr gut. „Der wird gerne auch auf Dachterrassen aufgestellt“, sagt sie. Im Gegensatz zum Buchsbaum sind Bambus und kleine Weidenbäume (7,50 Euro) ziemlich anspruchslos. Der Buchsbaum (9 bis 49 Euro) dagegen braucht regelmäßig und viel Wasser, und schön ist er nur dann, wenn er regelmäßig geschnitten wird. Fertige Buchsbaumfiguren kosten bis zu 550 Euro.

Bleibt die Frage nach Topf oder Kasten. Fachleute raten zum Kasten, weil die Pflanzen darin mehr Wurzelwerk bilden können und die Erde nicht so schnell austrocknet. Bei den Kästen stehen Terrakotta, verzinktes Blech oder Kunststoff zur Auswahl. Dabei muss Terrakotta nicht unbedingt rotbraun sein. Längst gibt es die Kästen auch in cremefarben oder weiß. Terrakotta eignet sich vor allem für Dachterrassen. Für die meisten Balkonbrüstungen ist es jedoch schlicht zu schwer, da empfehlen die Gartenfachleute eher Tontöpfe oder Kästen aus verzinktem Blech oder Kunststoffkästen. Letztere haben zudem den Vorteil, dass sie leicht zu reinigen sind und sich kein Moos oder Algen an ihren Flächen ansiedeln können.

Problem Bewässerung

Größte Herausforderung aller Hobbygärtner ist die regelmäßige Wasserzufuhr – spätestens, wenn die Sommerferien anstehen. Eine Lösung sind Kunststoffkästen mit Wassertank. Dabei saugt sich eine auf dem Kastenboden liegende Matte mit Wasser voll und gibt die Feuchtigkeit nach und nach an die Pflanzen weiter. Ein Wasserstandsanzeiger an der Außenseite gibt Auskunft, wann nachgefüllt werden muss. Ein Kasten von 60 Zentimeter Länge kostet bei Pflanzen-Kölle 27,50 Euro. 14 Tage Urlaub ohne Nachfüllen sind dann drin, versprechen die Baumarkt- Berater. Wer länger verreisen will, kann auf das Micro-drop-System von Gardena zurückgreifen. Feine Schläuche werden in die Blumenkästen gelegt, tröpfchenweise kommt das Wasser zu den Pflanzen. Voraussetzung ist allerdings ein Wasseranschluss auf dem Balkon. Das Starter-Set mit Schaltuhr kostet 69,95 Euro.

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