Wirtschaft : Mit neuer Spitze

Klaus Kleinfeld soll Siemens effizienter machen

Nicole Adolph

München - Oft wird Heinrich von Pierer die Quartalszahlen von Siemens nicht mehr vorstellen. Denn schon Ende Januar soll Klaus Kleinfeld die Führung von Deutschlands größtem Elektro-Konzern übernehmen. Von Pierer (63) will dann in den Aufsichtsrat wechseln. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe beriet der Aufsichtsrat noch über seine Nachfolge. Überraschungen werden bei dem Konzern, der heute seine Quartalszahlen vorlegt, aber nicht erwartet.

Mit der Berufung des neuen Chefs läutet Siemens einen Generationenwechsel ein. Der 46-jährige Kleinfeld, der seit 1987 bei Siemens arbeitet, hat schon mehrere Konzernsparten auf Vordermann gebracht: Zuerst verhalf der studierte Betriebswirt der Medizintechnik-Sparte zu neuen Rekorden bei Umsatz und Gewinn. Ab 2001 sanierte er erfolgreich das schwächelnde US-Geschäft. Zudem hat der Marathonläufer, der als hervorragender Kommunikator gelobt wird, in den vergangenen Jahren die Strategieprogramme des Konzerns mitentwickelt – und dabei den 13 Konzernsparten ehrgeizige Renditeziele vorgegeben. Analysten gehen davon aus, dass Kleinfeld nicht zögern wird, sich von unrentablen Geschäftsfeldern – wie zum Beispiel dem IT-Dienstleister SBS – zu trennen und die Internationalisierung des Konzern weiter voranzutreiben. Einen grundlegenden Strategiewechsel erwarten sie aber nicht.

„Ich glaube, dass Kleinfeld einiges ändern wird“, sagte Christoph Niesel von Union Investment. Kurzfristig sei aber kein strategischer Rundumschlag zu erwarten. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, Karl-Hermann Baumann, hatte Anfang der Woche betont, er erwarte unter der Kleinfelds Führung „große Kontinuität“. Das bedeute aber nicht, „dass er die Strategie von Herrn von Pierer blind übernimmt“.

Kleinfeld hat bereits vor seinem Amtsantritt angefangen, den Konzern neu auszurichten: Auf ihn geht die Zusammenlegung der Netzwerk- und Mobilfunksparte zur Super-Sparte „Siemens Communications“ zurück, die der Aufsichtsrat am Mittwoch beschließen wollte. Die Sparte, die im Oktober neue Konturen annehmen und von Lothar Pauly geleitet werden soll, wird 60000 Mitarbeiter haben und einen Umsatz von rund 17 Milliarden Euro machen. Siemens will mit der Fusion die sich annähernden Technologiekonzepte von schnurlosen und Festnetztelefonen besser vernetzen.

Nicht nur der Chefsessel wird bei Siemens neu besetzt. Bereits im August soll der bisherige Leiter des Kommunikations-Bereichs I&C und Konzern-Strategiechef Vize-Vorstandschef werden. Zudem sollten bei der Sitzung am Mittwoch der Vorstand der Netzwerksparte ICN, Thomas Ganswindt, und der Vorstand der Mobilfunksparte ICM, Rudi Lamprecht, in den Zentralvorstand von Siemens gewählt werden.

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