Wirtschaft : Mit vereinten Kräften

In Athen soll aus Alpha und Eurobank das größte Geldhaus Südeuropas werden

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Allein zu klein. Alpha ist Nummer drei, Eurobank Nummer zwei der Branche.Foto: Reuters
Allein zu klein. Alpha ist Nummer drei, Eurobank Nummer zwei der Branche.Foto: ReutersFoto: REUTERS

Athen - Die Schuldenkrise beschleunigt die Konsolidierung des griechischen Bankensektors: Eurobank EFG und Alpha Bank, die Nummer zwei und drei der Branche, wollen an diesem Montag eine Fusion beschließen. So hieß es am Wochenende in Athener Finanzkreisen. Mit dem Zusammenschluss könnten sich die beiden Institute besser gegen die staatliche Schuldenkrise wappnen und ihre Liquiditätsengpässe meistern, so lautete die Argumentation.

Zunächst sollen die Vorstände der beiden Banken an diesem Montag die in den vergangenen Wochen unter größter Geheimhaltung ausgehandelte Fusion billigen. Mit einer Bilanzsumme von rund 150 Milliarden Euro würde aus dem Zusammenschluss nicht nur ein neuer Marktführer in Griechenland, sondern gleich die größte Bank Südosteuropas hervorgehen. In Europa läge das Institut auf Platz 25. Eurobank EFG und Alpha Bank betreiben in Griechenland zusammen rund 850 Geschäftsstellen. Im Inland kommen die beiden Institute gemessen an der Bilanzsumme gemeinsam auf einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. Sie entthronen damit den bisherigen Marktführer National Bank of Greece (NBG), der 24 Prozent Marktanteil hält. Eurobank EFG und Alpha Bank haben aber mit über 1600 Filialen auch eine starke Präsenz in den benachbarten Balkanländern, in Osteuropa und der Türkei. Zusammen beschäftigen beide Banken rund 38 200 Mitarbeiter.

Die griechischen Banken stehen wegen der Schuldenkrise des Landes und der schweren Rezession unter wachsendem Konsolidierungsdruck. Ihre Bonität leidet unter der miserablen Kreditwürdigkeit des Staates. Die Athener Geldinstitute sind deshalb weitgehend vom Kapitalmarkt ausgeschlossen und für die Refinanzierung fast völlig auf die Europäische Zentralbank sowie auf Liquiditätshilfen der griechischen Notenbank angewiesen. Auch die rückläufigen Kundeneinlagen und die wachsenden Kreditausfälle machen den griechischen Bankern Sorge. Überdies stehen nun auch noch Milliardenabschreibungen im Rahmen des Tauschs griechischer Staatsanleihen an, mit denen sich die privaten Gläubiger an dem zweiten Griechenland-Rettungspaket der Euro-Staaten beteiligen sollen. Nach Berechnungen der italienischen Bank Unicredit kommen dadurch auf die vier größten griechischen Banken Verluste von insgesamt 3,8 Milliarden Euro zu. Credit Suisse beziffert den Abschreibungsbedarf der vier führenden Athener Institute auf knapp 4,2 Milliarden. Auf Eurobank und Alpha entfallen etwa 1,4 bis 1,5 Milliarden.

Der Anleihentausch, die wachsenden Abschreibungen für faule Kredite und die Forderung der Zentralbank, wonach die griechischen Geschäftsbanken bis Ende September 2012 ihre Kernkapitalquote (Tier 1) auf zehn Prozent verbessern müssen, wird die Institute in den kommenden Monaten zu Kapitalerhöhungen zwingen. Angesichts der Baisse an der Athener Börse, wo Bankaktien seit Beginn dieses Jahres im Schnitt 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt haben, dürften die Institute für die Stärkung ihrer Kapitalbasis auf staatliche Hilfen angewiesen sein. Dafür stehen mit 30 Milliarden Euro zwar ausreichend Mittel bereit. Die Inanspruchnahme dieser Gelder würde aber de facto zu einer Verstaatlichung der griechischen Banken führen.

Mit ihrer geplanten Fusion versuchen Eurobank und Alpha genau dies zu verhindern. Als kapitalkräftigen strategischen Investor holen sie zusätzlich einen Staatsfonds aus Katar an Bord, die Qatar Investment Authority, die bereits mit fünf Prozent an der Alpha Bank beteiligt ist. Der Fonds werde insgesamt rund 500 Millionen Euro in die neue Bank einbringen und mit einem Anteil von 16 Prozent deren größter Aktionär sein, heißt es in Finanzkreisen. Der Staatsfonds aus Katar ist auch in Deutschland kein Unbekannter: Er ist unter anderem an Volkswagen, Porsche und am Baukonzern Hochtief beteiligt. Gerd Höhler

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