Wirtschaft : Mobilfunk-Versteigerung: Eichel nimmt bei der UMTS-Auktion mehr ein als erwartet

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Im Finanzministerium kann aufgeatmet werden. Am Dienstag überschritt die Summe der Höchstgebote bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Mainz die Schwelle von 20 Milliarden Mark. Diesen Betrag hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel zuvor als "seriöse Schätzung" des Auktionserlöses bezeichnet, der in die Staatskasse fließen wird. Doch das Ende der Versteigerung ist noch nicht in Sicht: Noch steigern alle sieben Bieter mit. In der 90. Runde stieg die Summe der Höchstgebote auf 23,73 Milliarden Mark. Mit einem Gebot von 5,945 Milliarden Mark für drei Frequenzpakete lag Mobilcom an der Spitze.

Um eine Lizenz für den neuen Mobilfunkstandard UMTS zu erwerben, muss ein Bieter mindestens zwei, darf aber höchstens drei der zur Verfügung stehenden zwölf Frequenzpakete ersteigern. Es ist also offen, ob es vier, fünf oder sechs Lizenzen geben wird. Die Auktion ist erst beendet, wenn für keines der zwölf Pakete neue Höchstgebote eingehen. Zur Zeit müssen für eine Lizenz mindestens vier Milliarden Mark bezahlt werden.

Noch ist nicht klar, wieviel Geld am Ende in die Kassen des Bundesfinanzministers fließt. "Wir hielten Einnahmen von 20 Milliarden Mark für realistisch", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums dem Tagespiegel. "Wir lassen uns lieber positiv überraschen als negativ." Der Finanzminister will den Versteigerungserlös zur Tilgung von Schulden verwenden. Der Bund erreicht nach bisheriger Planung in diesem Jahr eine Schuldensumme von rund 1,5 Billionen Mark. Bei den bisher erwarteten Einnahmen von 20 Milliarden Mark würde die Zinsbelastung um rund eine Milliarde Mark sinken, sagte der Sprecher. Jede weitere Steigerung der Einnahmen um zehn Milliarden Mark, senke die Zinslast um weitere 500 Millionen Mark. Die Zinsersparnis werde je zur Hälfte zur erhöhten Bafög-Finanzierung und für Verkehrsinvestitionen eingesetzt.

Die Frage ist nun, wie lange die sieben Bieter noch mithalten. Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin rechnet damit, dass es ab einem Preis von sechs bis acht Milliarden Mark für eine kleine Lizenz (zwei Frequenzblöcke) zumindest für Debitel und das Konsortium 3G (die spanische Telefónica und die finnische Sonara) eng werde. Nach dem Ausscheiden zweier Bieter könnte es dann aber schnell zu Ende sein: Die bereits am deutschen Markt aktiven Netzbetreiber T-Mobil (D1), Mannesmann (D2), E-Plus und Viag Interkom könnten den Neueinsteiger Mobilcom in den Markt lassen. D1 und D2 bekämen dann eine große Lizenz (drei Ferquenzblöcke), die anderen eine kleine. Hallmann rechnet mit einem Versteigerungserlös zwischen 60 Milliarden und 80 Milliarden Mark. "Diese Zahlen sind in den Kursen eingepreist", sagt der Telekom-Analyst. Sollten die Lizenzkosten allerdings höher ausfallen, werde ein weiterer Druck auf die Kurse unvermeidlich sein.

Richtig teuer kann es werden, wenn die vier Netzbetreiber auf Biegen und Brechen versuchen sollten, die Konkurrenz klein zu halten und nur vier Lizenzen zuzulassen. Michael Schatzschneider von der BHF-Bank erwartet, dass es bei der Versteigerung in Mainz noch weit nach oben geht: "Ich denke, es wird vier Lizenzen geben, und es wird teuer - 100 Milliarden Mark und mehr." Ein Schwächeln der Bieter ist derzeit trotz des rasanten Anstiegs der Preise allerdings nicht zu erkennen. Alle scheinen entschlossen, eine der vier bis sechs UMTS-Lizenzen zu ergattern. Bis auf Mobilcom halten sie zudem schon fast eisern an der Regel fest, die Höchstgebote um nicht mehr als die vorgeschriebenen zehn Prozent zu übertreffen.

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