Mobilfunkfrequenzen : Deutschland wird aufgeteilt

Das Rennen um die digitalen Mobilfunkfrequenzen hat begonnen. Die Versteigerung läuft.

David C. Lerch
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Der Herr der Netze. Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, schwärmt von Innovationen im Land der Ingenieure und Erfinder. -Foto: ddp

MainzDie alte Stoppuhr in Raum 1083 wirkt nicht gerade wie der Aufbruch in die digitale Zukunft. Eher wie ein Wettlauf in einer muffigen Turnhalle. Der Vorfreude von Matthias Kurth tut dies jedoch keinen Abbruch. Um genau 13.16 Uhr drückt der Präsident der Bundesnetzagentur in seiner Mainzer Zentrale mit dem rechten Zeigefinger den mittleren Knopf der Uhr langsam nach unten und eröffnet damit die weltweit erste Auktionsrunde um die digitalen Mobilfunkfrequenzen. Dass dies ein historischer Moment ist, ist Kurth bewusst. Von einer deutschen Vorreiterrolle beim mobilen Internet spricht er, sieht seine Auktion als „entscheidenden Schlüssel“ für Innovationen, als Fingerzeig im Land der Ingenieure und Erfinder.

In der Tat geht es um viel. Die neuen Mobilfunkfrequenzen gelten für die Konzerne als Quelle für das künftige Wachstum mit mobilen Internetdiensten. Die Politik will auf diesem Weg endlich entlegene ländliche Regionen an die virtuelle Welt anschließen und hat die Frequenzen mit entsprechenden Auflagen versehen. Doch zunächst muss das in einzelne Blöcke eingeteilte Gesamtvolumen von 360 Megahertz unter den vier zugelassenen Bewerbern T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus versteigert werden. Das funktioniert nach einem äußerst komplexen Verfahren und in zahlreichen Bieterrunden. Allein die Auktionsregeln umfassen 180 Din-A4-Seiten.

Wie viele Runden die Versteigerung tatsächlich dauern wird, ist völlig offen. Das zeigten am Montag auch die Einschätzungen der Experten am Rande der Auktion. Einer sprach von mindestens 100 Bieterrunden, andere erwarten dagegen ein schnelleres Ende. Für jeden der Durchgänge hat die Netzagentur maximal 90 Minuten angesetzt. Solange haben die Vertreter der Konzerne Zeit, um ihre jeweils nächsten Gebote für alle 41 Frequenzblöcke abzugeben. Am Montag gingen die ersten drei Bieterrunden über die Bühne. Bisher summieren sich die für alle Frequenzen insgesamt eingereichten Höchstgebote auf 116,78 Millionen Euro. Das ist wohl nur ein Bruchteil dessen, was die Auktion am Ende einspielen wird. „Noch haben die Ergebnisse null Aussagekraft“, sagte Guido Heitmann, Sprecher von E-Plus. „Das ist wie bei Ebay, die Auktionen entscheiden sich am Ende.“

Um den Zuschlag ringen die Konzerne in einem hermetisch abgeschotteten Bereich in der Bundesnetzagentur, der mit einer dicken Glaswand abgetrennt ist. Dahinter sitzen in vier kargen Räumen die Vertreter der Mobilfunkunternehmen, bis zu vier Mitarbeiter sind jeweils zugelassen. Die Einrichtungen sind stets identisch und mögen den Managern, die sonst wohl via Smartphone Tag und Nacht virtuell vernetzt sind, etwas eigenwillig erscheinen. Ein Festnetztelefon und ein Faxgerät dürfen sie bedienen, jedoch sehr eingeschränkt. Nur die Nummer zu ihren Konzernen haben die Regulierer freigeschaltet. Handys sind strikt verboten. Andernfalls droht der Ausschluss aus der Auktion.

Nach dem Ende einer Auktionsrunde wird in der Kammer über einen Bildschirm das Ergebnis – das eigene Gebot und das der Konkurrenten – angezeigt und vermutlich eilig an das jeweilige Headquarter übermittelt. Dann beginnt das Spiel der Strategen und Mathematiker in den Konzernzentralen. „Dort werden hektisch die Gebote in die vorbereiteten Excel-Dateien eingegeben und die Wahrscheinlichkeiten der nächsten Runde errechnet“, erklärte ein Experte der Unternehmensberatung Arthur D. Little am Montag. Noch ist das eine Rechnung mit sehr vielen Unbekannten. Denn das Auktionsdesign bietet viel Raum für strategische Winkelzüge. „Das ist wie beim Schach“, erklärte Rudolf Boll, Sprecher der Bundesnetzagentur, sichtlich vergnügt am Montagnachmittag.

Besonders im Fokus steht das Ringen um die so genannte „digitale Dividende“. Darunter versteht man den Frequenzblock aus dem Bereich um 800 Megahertz, der frei wurde, als die Fernsehsender von Antennen auf digitalen Empfang umstellten. Die Frequenzen gelten als ökonomisch besonders wertvoll, weil sich mit ihnen große Flächen, etwa zu den Kunden auf dem flachen Land, relativ kostengünstig überbrücken lassen. Wie erwartet entfielen am Montag die höchsten Gebote auf diese Frequenzen. Nach der dritten Bieterrunde lag am späten Nachmittag jeder der vier Konzerne bei einem Teil des umkämpften Frequenzblocks vorne.

Eine Entscheidung ist damit noch lange nicht gefallen. Die letzte große Frequenzversteigerung im Jahr 2000 – damals ging es um die Lizenzen für UMTS – lief über 173 Runden und dauerte drei Wochen. Damals herrschte Volksfeststimmung, heute geht es deutlich nüchterner zu , „weniger irrational“, wie eine Mitarbeiterin der Netzagentur berichtet.

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