Modemesse : Brot, Butter und acht Arbeitslose

Aufruhr beim großen Hoffnungsträger für den Flughafen Tempelhof: Die Modemesse Bread & Butter hat am Mittwoch überraschend acht Mitarbeiter entlassen. Dies entspricht fast zehn Prozent ihrer Belegschaft.

Joachim Telgenbüscher

BerlinBerlin - Aufruhr beim großen Hoffnungsträger für den Flughafen Tempelhof: Die Modemesse Bread & Butter hat am Mittwoch überraschend acht Mitarbeiter entlassen. Dies entspricht fast zehn Prozent ihrer Belegschaft. Nach Angaben einer Betroffenen habe die Geschäftsführung diesen Schritt mit der wirtschaftlichen Krise begründet. „Bread & Butter hat immer gesagt, dass sie Stellen in Berlin schaffen, aber das stimmt nicht, sie streichen Stellen“, sagte die Ex-Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, dem Tagesspiegel.

Erst im Januar hatte Bread-&-Butter-Geschäftsführer Karl-Heinz Müller angekündigt, die Messe nach einem knapp vierjährigen Zwischenspiel in Barcelona zurück nach Berlin zu bringen. Neuer Veranstaltungsort ist der stillgelegte Flughafen Tempelhof. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat dies als „hervorragende Entscheidung“ für den Standort Berlin gelobt. Von der Opposition wurde Wowereit kritisiert, weil er Bread & Butter den Studios Babelsberg als Nachmieter vorgezogen hatte.

Die acht Mitarbeiter von Bread & Butter traf die Entlassung völlig unvorbereitet: „Wir haben das nicht erwartet, weil die Geschäftsführung immer gesagt hat, dass Bread & Butter von der Krise nicht betroffen ist“, sagte die gekündigte Mitarbeiterin. „Um halb zwölf hatten wir plötzlich eine E-Mail der Geschäftsführung im Postfach, dass wir uns im Besprechungsraum versammeln sollten.“ Geschäftsführer Matthias Schmid habe den Mitarbeitern dann mitgeteilt, dass sie ihre Büros innerhalb einer halben Stunde räumen müssten: „Er hat gesagt, dass wir unsere Sachen nehmen sollen und die Computer nicht mehr anrühren dürfen.“

Alle acht Entlassenen arbeiteten im Bereich Active Guest Management, mit dem sich Bread & Butter in der Vergangenheit profiliert hat. Das vielsprachige Team kümmert sich um die internationalen Gäste der Messe. Bread & Butter ist eine der führenden europäischen Fachmessen für Streetwear, Jeans und jüngere Mode. Bei der letzten Ausgabe kamen 90 000 Besucher und 800 Aussteller nach Barcelona. Die Ex-Mitarbeiterin vermutet, dass enttäuschende Anmeldezahlen für die am 1. Juli beginnende Messe Auslöser der Entscheidung waren. Sie und ihre Kollegen seien gekündigt worden, „weil wir nicht so viele Aussteller haben wie in Barcelona.“ Das habe das Unternehmen jetzt gemerkt und dann gehandelt.

Klagen will die Entlassene aber nicht: „Arbeitsrechtlich war das in Ordnung“, sagt sie. „Nur die Art und Weise der Kündigung hat mich geärgert.“ Das Unternehmen habe immer die familiäre Atmosphäre betont. „Da wirkt eine Blitzentlassung natürlich brutal.“ Die Geschäftsführung von Bread & Butter wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Es werde von ihnen in dieser Sache kein Statement geben. Die Betroffene ist davon kaum überrascht „Dass sie nichts sagen, ist nichts Neues. Das machen sie auch intern so.“ Joachim Telgenbüscher

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