Möbelhersteller : Ikea-Lieferant meldet Insolvenz an

Europas umsatzstärkster Möbelhersteller, Schieder Möbel, ist durch finanzielle Engpässe unter Druck geraten. Die Produktion des Konzerns, zu dessen wichtigsten Kunden Ikea gehört, steht teilweise still. Jetzt soll ein Notplan helfen.

Schieder-Schwalenberg - Für die Schieder Möbel Holding GmbH sei bereits am Donnerstag ein vorsorglicher Insolvenzantrag gestellt worden, am Freitag auch für eine weitere Gesellschaft, sagte ein Sprecher und bestätigte entsprechende Medienberichte. Die Produktion sei "gestört" und stehe an den Standorten Schieder und Steinheim "teilweise still". Das operative Geschäft gehe weiter, Gespräche mit möglichen Kreditgebern über eine Brückenfinanzierung liefen "mit Hochdruck".

"Einen vorsorglichen Insolvenzantrag kann man zurücknehmen", sagte der Sprecher mit Blick auf die laufenden Gespräche. Die Gespräche mit den beteiligten Geldgebern sollten Unternehmensangaben zufolge bis zum Abend abgeschlossen sein. Wesentliche Teile der europäischen Produktion könne der Möbelhersteller mit gut 11.000 Mitarbeitern aufrechterhalten, hieß es. Laut eines Berichts des Westdeutschen Rundfunks (WDR) handelt es sich bei der weiteren von einem vorsorglichen Insolvenzantrag betroffenen Gesellschaft um das Tochter-Unternehmen PM-Möbel in Steinheim.

Ikea-Konzern als Top-Kunde

Schieder ist Europas umsatzstärkster Möbelhersteller. Insgesamt beliefert das westfälische Unternehmen 5000 Kunden in 60 Ländern. Zu den renommiertesten und wichtigsten Kunden gehört der schwedische Ikea-Konzern. Auf diesem Wege fanden die Möbel der Schieder-Gruppe auch den Weg in viele deutsche Wohnungen. Der Konzern produziert an 41 Standorten in Europa und Asien, darunter auch in zehn deutschen Werken.

Nach Informationen der Tageszeitung "Neue Westfälische" wurden Gelder für Lieferanten eingefroren. Allerdings stellten dem Bericht zufolge britische Investoren Finanzmittel zur Verfügung. Seit Wochen dauern Verhandlungen über ein von Unternehmensberatungen erarbeitetes neues Finanzierungskonzept an, das bis Ende Mai vorliegen sollte. "Die Finanzierungsstruktur ist nicht optimal", hatte der Sprecher bereits Mitte März gesagt. Insidern zufolge hatte der frühere Geschäftsführer S. J.2005 eine Anleihe von 145 Millionen Euro auf dem internationalen Kapitalmarkt aufgetan, zudem eine Pfandverschreibung von 95 Millionen Euro und Genussscheine, also eine weitere Anleihe, für 30 Millionen Euro. Dabei machen Schieder hohe Kapitalkosten zu schaffen.

Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr 2006/07 (31. März) peilte Schieder früheren Angaben zufolge ein Umsatzplus von 3,4 Prozent an. Ein Jahr zuvor hatte der Möbelhersteller Erlöse von rund 950 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Dezember 2006 hatte Firmengründer Rolf Demuth wieder die Leitung des Unternehmens übernommen. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar