Monatsbericht Bundesbank : Immobilien in deutschen Großstädten deutlich zu teuer - auch in Berlin

Seit Jahren steigen die Preise für Eigentumswohnungen. Insgesamt sind die Kosten laut der Deutschen Bundesbank zwar angemessen. In Großstädten wie Berlin hingegen völlig überteuert.

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Begehrt. Eigentumswohnungen in Berlin kosten im Durchschnitt 2474 Euro je Quadratmeter. Das sind fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings ebbt die Preiswelle ab: Ein Jahr zuvor war die Steigerung noch doppelt so stark. Foto: Thilo Rückeis
Begehrt. Eigentumswohnungen in Berlin kosten im Durchschnitt 2474 Euro je Quadratmeter. Das sind fast zehn Prozent mehr als im...

Sind Eigentumswohnungen in den deutschen Großstädten zu teuer? Die Preise steigen unaufhaltsam, seit Jahren bereits. Und nun legt die Deutsche Bundesbank, die bereits im vergangenen Jahr vor dieser Entwicklung gewarnt hat, noch einmal nach: „Bestehende Überbewertungen in den Ballungsgebieten“, schreiben die Marktanalysten, „haben sich trotz der Angebotsausweitung eher verfestigt.“ Besonders betroffen seien Großstädte, wo die Preise „im Durchschnitt vermutlich um 25 Prozent“ überbewertet seien.

Nur eine Richtung kannten die Wohnungspreise, und zuletzt mit einem rasanten Tempo: In den vergangenen drei Jahren stiegen die Preise in den 125 deutschen Städten um ein Fünftel. In den sieben größten deutschen Städten zahlten Käufer von Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr sogar neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bedenklich ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil „der Nachfragedruck auf den städtischen Mietwohnungsmärkten nicht mehr zugenommen hat“. Anders ausgedrückt: Weil die Mieten nicht so schnell gestiegen sind wie die Wohnungspreise, schrumpft auch die Rendite.

Keine Angst vor einer Immobilienblase

Fassaden der Hauptstadt
Erhaltene Dorfstruktur im Ortsteil Lübars in Reinickendorf.Weitere Bilder anzeigen
1 von 430Foto: Peter Wand
08.11.2016 14:51Erhaltene Dorfstruktur im Ortsteil Lübars in Reinickendorf.

Trotz dieser Entwicklung wollen die Bundesbanker – wie viele andere Marktbeobachter auch – nichts von einer Immobilienblase wissen. Der Chef der City-Report-Agentur für Marktforschung, Frank Orten, warnt allerdings: „Durch die hohen Verkaufspreise wird die Wertsteigerung der nächsten zehn bis 15 Jahren vorweggenommen.“ Mit einer Immobilienblase ähnlich wie in den USA habe man es in Deutschland trotzdem nicht zu tun: Die Banken seien vorsichtig und finanzierten Immobilien nur, wenn die Erwerber solvent seien und ihre Kredite langfristig bedienen könnten.

Ähnlich sieht das Maren Kern, Vorstand von Berlins größtem Wohnungsverband BBU: „Wir sehen keine Anzeichen für eine Preisblase.“ Allerdings räumte auch sie ein, dass nach dem kräftigen Anstieg der Preise für Eigentumswohnungen der Zenit in vielen Bereichen erreicht sei. Luxuswohnungen in herausragenden City-Lagen wie dem Potsdamer Platz seien davon nicht betroffen. Der insgesamt kräftige Anstieg der Preise sei allerdings nicht nur durch die starke Nachfrage, sondern auch durch die geringen Baugeldzinsen beflügelt worden.

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