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Monsanto-Übernahme : Aktionäre nehmen Bayers 66-Milliarden-Angebot an

99 Prozent der Monsanto-Eigentümer hat Bayers Milliarden-Offerte akzeptiert. Nun haben die Wettbewerbsbehörden das letzte Wort.

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Proteste: Umweltschützer und Gewerkschafter demonstrieren gegen den Einsatz von Pestiziden.
Proteste: Umweltschützer und Gewerkschafter demonstrieren gegen den Einsatz von Pestiziden.Foto: AFP

Zu früh freuen, gilt nicht - Bayer-Chef Werner Baumann wird dieses Motto in den kommenden Monaten wie kein anderer beherzigen. Die 66 Milliarden US-Dollar teure Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto ist eine harte Nuss, die der Manager bis Ende 2017 knacken will. Baumann hat sich schon frühzeitig auf einen Marathon eingestellt, denn die Mühlen der Aufsichtsbehörden mahlen langsam.

Doch die Dinge liegen jetzt nicht mehr in seiner Hand. Wie, wann und unter welchen Bedingungen der Deal abläuft, wird sich noch zeigen. Auch ein Scheitern des Zusammenschlusses ist nicht ausgeschlossen. Ob der künftige US-Präsident Donald Trump mit seinem Hang zum Protektionismus der Sache dienlich ist, darf zumindest bezweifelt werden – obwohl Bayer den Republikaner im Wahlkampf finanziell deutlich stärker unterstützt hatte als Hillary Clinton.

Monsanto-Aktionäre haben entschieden

Und so ist der Schritt, den nun die Monsanto-Aktionäre gehen, auch nur ein kleiner Mosaikstein im gesamten Baumann-Bauwerk mit dem Namen: Aufbau des weltweit führenden Agrochemie- und Life-Science-Konzerns.

Die erste Hürde hatte der Bayer-Chef im vergangenen September genommen, als das Monsanto-Management nach einem monatelangen Poker seinen Widerstand gegen die Übernahme-Avancen aus Leverkusen aufgab und der verbesserten Offerte zustimmte. Am Dienstag haben Monsanto-Eigentümer dem Deal zugestimmt - mit 99 Prozent. Bayer hatte einen Aufschlag von 44 Prozent auf den letzten Aktienkurs, der vor dem ersten schriftlichen Bayer-Angebot notiert worden war, geboten.

Eine große Belastung

Der bislang teuerste Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland wird - die Genehmigung der Kartellbehörden in den USA und der EU vorausgesetzt - den Bayer-Konzern nicht nur finanziell stark belasten. Mit Monsanto haben sich die Leverkusener auch ein Imageproblem aufgehalst: Das US-Unternehmen ist wegen seines genmanipulierten Saatgutes und des Pflanzengiftes Glyphosat in Europa unbeliebt.

„Es droht eine marktbeherrschende Stellung von Bayer-Monsanto im Bereich Saatgut, Gentechnik und Pestizide“, kritisiert Hubert Weiger, Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Der neue Megakonzern könne diktieren, was die Landwirte anbauen. „Die Umwelt würde durch noch mehr Monokulturen, höheren Pestizideinsatz und weitere Gentech-Pflanzen Schaden nehmen“, warnt der Umweltschützer.

Bei Bayer ist man sich des Risikos bewusst. „Unser guter Ruf hat sich über 150 Jahre aufgebaut. Es ist das Wertvollste, was eine Firma hat“, hatte Bayer-Vorstand Dieter Weinand kürzlich im Tagesspiegel-Interview betont. „Wir werden uns weiterhin so verhalten, wie es unserem guten Ruf entspricht.“

Bayer steht unter Zugzwang

Das Problem ist: Bayer steht unter Zugzwang. In Leverkusen hält man die Agrochemie-Sparte angesichts der steigenden Weltbevölkerung für ein wachsendes Geschäft. Höhere Erträge auf den Feldern könnten die Welternährung sichern. Aber auch andere verfolgen diesen Plan. So möchte der chinesische Staatskonzern ChemChina den Agrarchemiekonzern Syngenta aus der Schweiz für rund 43 Milliarden Dollar schlucken. Bereits vor einem Jahr haben die US-Konzerne Dow Chemical und Dupont ihre Fusion auf den Weg gebracht.

Bedenken der Wettbewerbshüter

Doch ein Selbstläufer sind die Vorhaben keineswegs. So trat die EU-Kommission zuletzt bei der angepeilten Übernahme durch ChemChina auf die Bremse. Die Behörde will den Deal ausführlich prüfen und signalisierte vorläufige Bedenken. Auch beim geplanten Zusammenschluss von Dow Chemical und Dupont liegt der Zeitplan für das Verfahren in Brüssel auf Eis. Monsanto, Syngenta, Bayer, Dupont, Dow Chemical und BASF kontrollieren schon heute 75 Prozent des globalen Agrarchemiemarktes und mehr als 60 Prozent des Saatgutmarktes. mit dpa

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