Wirtschaft : Montis Bedingungen sind freundlich (Kommentar)

Corinna Visser

Wettbewerbskommissar Mario Monti hat es spannend gemacht. Bis kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung in Brüssel, war nicht klar, ob er die Fusion Vodafone / Mannesmann genehmigen oder ein zweites viermonatiges Verfahren einleiten würde. Dass Monti auf die weitere Prüfung verzichtete, ist überraschend. Immerhin handelt es sich um den größten Firmenzusammenschluss in der Wirtschaftsgeschichte. Außerdem verfügten beide Unternehmen bereits vor der Fusion über ein ausgedehntes Netz an Tochterunternehmen und Beteiligungen in ganz Europa.

Der Zusammenschluss zeigt, wie wichtig eine europäische Wettbewerbsaufsicht ist. Denn die nationalen Wettbewerbsbehörden Europas hätten die Fusion nicht ausreichend würdigen können. Außer in Großbritannien und in Belgien, wo sowohl das Mannesmann-Tochterunternehmen Orange als auch Vodafone aktiv sind, erlangt das neue Unternehmen in keinem Einzelmarkt eine marktbeherrschende Stellung. Betrachtet man zum Beispiel isoliert den deutschen Markt, ändert sich an der Wettbewerbssituation überhaupt nichts. Es wechselt lediglich ein Anbieter den Besitzer.

Auf europäischer Ebene sieht es dagegen anders aus. Vodafone / Mannesmann spannen gemeinsam ein fast flächendeckendes Netz über den Kontinent. Daher konnte die EU-Kommission die Fusion nicht ohne Auflagen genehmigen. Die Abspaltung von Orange muss als selbstverständliche Bedingung gelten. Auch die Klage der Wettbewerber, Vodafone / Mannesmann könnte den eigenen Gesellschaften günstige Tarife beim grenzüberschreitenden Telefonverkehr einräumen, bei denen andere Anbieter nicht mithalten könnten, musste berücksichtigt werden. Unberücksichtigt ließ Monti dagegen die nicht weniger naheliegende Furcht, Vodafone / Mannesmann könnten zu viel Macht beim Einkauf von Technik und Handys erhalten und die Anbieter unter Druck setzen. Dies wird die Kommission in Zukunft sehr genau beobachten müssen.

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