Wirtschaft : Münchener Rück fürchtet Klimawandel

Wegen der Erwärmung steigt auf längere Sicht die Zahl schwerer wetterbedingter Naturkatastrophen

Joachim Hofer,Daniel Rhee-Piening

München/Berlin - Die Münchener Rück rechnet mit immer schlimmeren Unwettern. „Auch wegen der globalen Erwärmung steigt auf längere Sicht die Zahl schwerer wetterbedingter Naturkatastrophen“, sagte am Donnerstag Torsten Jeworrek, Vorstand des Versicherungskonzerns, in München. „Selbst so scheinbar widersprüchliche Ereignisse wie enorme Schneedruckschäden in Europa Anfang des Jahres 2006 und jetzt am Jahresende der zunächst warme Winter mit Potenzial zu schweren Winterstürmen passen zu diesem Muster“, sagte Jeworrek und Peter Höppe, Leiter der Geo-Risiko-Forschung der Münchener Rück ergänzte: „Den Klimawandel bestreitet ernsthaft niemand mehr. Er wird langfristig zu einer höheren Zahl schwerer Naturkatastrophen beitragen“. Da der Wohlstand in vielen Gegenden zunimmt, die für Katastrophen anfällig sind, erwartet das Unternehmen auch höhere Schäden.

Durch die immer heftiger ausfallenden Katastrophen sieht die Münchener Rück eine zunehmende Nachfrage nach ihren Versicherungsleistungen und steigende Beitragszahlungen. „Wir betrachten die Preiserhöhung nach dem Hurrikan-Jahr 2005 als nachhaltig“, erklärte Jeworrek.

Sorgen machen dem Rückversicherer vor allem die Hurrikane über dem Nordatlantik, die Städte und Dörfer verwüsten, wenn sie Land erreichen. In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren rechnen die Experten mit überdurchschnittlich vielen Stürmen, weil eine zyklische Wärmephase des Ozeans durch die Erderwärmung verstärkt wird. In Deutschland fiel vor allem ein schwerer Hagelschlag im Schwarzwald Ende Juni auf. Allein hier beliefen sich die Schäden auf rund 300 Millionen Dollar (rund 228 Millionen Euro).

Doch auch in anderen Teilen der Welt wüten die Stürme mit bisher nicht gekannter Wucht. Der Norden Australiens wurde im Frühjahr vom schwersten Tropensturm getroffen, der in der Region je gemessen wurde. Mit 290 Kilometern pro Stunde raste der Zyklon Larry über das Land. Dies sei ein „Warnschuss“, urteilt die Münchener Rück. Da die Region vergleichsweise wenig besiedelt ist, hielt sich der versicherte Schaden mit 400 Millionen Dollar zwar in Grenzen. Hätte der Sturm aber die Großstadt Brisbane erreicht, wären Milliardenschäden die Folge gewesen.

Vor allem in Schwellenländern, wo kräftig gebaut wird, drohen den Versicherungskonzernen in den kommenden Jahren enorme Belastungen. Ein Beispiel: So gab es Ende Mai ein mittelstarkes Erdbeben auf der indonesischen Insel Java. Binnen Sekunden entstand ein Schaden für die Volkswirtschaft von 3,1 Milliarden Dollar. Die riesige Summe lief deshalb auf, weil viele neue Gebäude wie Einkaufszentren oder Hotels in sich zusammenbrachen. Dass die Assekuranzen fast gänzlich unbeschadet aus der Katastrophe herauskamen, lag lediglich daran, dass nur wenige Gebäude versichert waren. „In der Region um die ebenfalls erdbebengefährdete Hauptstadt Jakarta wäre ein solches Beben mit ähnlichen Zerstörungen verheerender – für die Menschen wie für die Versicherungen“, warnt die Münchener Rück.

Insgesamt verursachten Naturkatastrophen nach Berechnungen der Münchener Rück im zu Ende gehenden Jahr volkswirtschaftliche Schäden von 45 Milliarden Dollar. Der Schweizer Konkurrent Swiss Re rechnet mit 40 Milliarden Dollar. Das ist wenig im Vergleich zum Vorjahr, als die Rekordsumme von 219 Milliarden Dollar auflief. Die versicherten Schäden lagen jetzt bei 15 Milliarden Dollar, weniger als ein Sechstel des Betrags von 2005.

Dass die Versicherungen in diesem Jahr von Großschäden weitgehend verschont wurden, ist laut Münchener Rück kein Widerspruch zu den düsteren Vorhersagen. Nach Ansicht der Experten ist es eher Zufall, dass es keine schlimmen Hurrikane gab. Darüber hinaus blieben 2006 auch schwere Flugzeugabstürze oder Großbrände aus.(HB)

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