Münchner Rück : 400 Millionen Euro vom Staat

Die Münchener Rück profitiert von der Steuerreform und verdient prächtig. Auch Naturkatastrophen konnten die guten Zahlen nicht trüben.

Heike Jahberg

Berlin - Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, die Münchener Rück, profitiert bereits heute kräftig von der anstehenden Steuerreform. Im dritten Quartal stieg der Überschuss des Konzerns um gut zwei Drittel auf rund 1,2 Milliarden Euro, berichtete Finanzvorstand Jörg Schneider am Montag in München. Davon stammen knapp 400 Millionen Euro aus Steuereffekten.

Für das gesamte Jahr peilt Schneider einen Rekordgewinn an: „Wir könnten sogar die bisher als Jahresgewinn angepeilten 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro leicht übertreffen“, kündigte Schneider an. Im vergangenen Jahr hatte die Münchener Rück mit 3,5 Milliarden Euro den bisher höchsten Überschuss in ihrer Geschichte erzielt, in den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der Konzern jetzt bereits einen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro gemacht.

Auch Naturkatastrophen konnten die guten Zahlen nicht trüben. Größter Schaden im dritten Quartal war der Hurrikan „Dean“, der die Münchener mit 60 Millionen Euro vor Steuern belastet. Auch Erdbeben in Peru und Japan, die Überschwemmungen in Großbritannien und die jüngsten Waldbrände in Kalifornien setzten der Rückversicherung zu. Rückversicherer sind die Versicherer der Versicherer und springen bei Großschäden ein. Bei den Waldbränden erwartet die Münchener Rück Belastungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich, für eine Schadensschätzung zum Tropensturm „Noel“ sei es noch zu früh, hieß es. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von Juli bis September verglichen mit dem Vorjahr von 90,4 auf 97 Prozent. Unterhalb einer Quote von 100 Prozent decken die Prämieneinnahmen die Ausgaben für Verwaltungskosten und Schäden.

Auch die US-Hypothekenkrise bescherte der Versicherung Verluste. 150 Millionen Euro sind bislang aufgelaufen, davon 115 Millionen Euro im dritten Quartal. Weitere Belastungen erwartet Finanzvorstand Schneider nicht mehr: „Das Thema ist für uns damit gelaufen.“ Das Portfolio im Zusammenhang mit schwach abgesicherten US-Hypothekendarlehen sei um ein Drittel auf knapp 400 Millionen Euro reduziert worden – bei Kapitalanlagen von insgesamt über 170 Milliarden Euro. Das Unternehmen habe jetzt nur noch Papiere, die von den Ratingagenturen mit AA oder AAA bewertet seien. Auch Aktien hält die Versicherung nur noch in geringem Maße. Die Aktienquote liegt bei 11,3 Prozent.

Zu den guten Zahlen der Münchener Rück trägt in besonderem Maße die Unternehmensteuerreform bei. Zwar tritt die im Juli verabschiedete Reform erst am 1. Januar 2008 in Kraft, das neue Gesetz beeinflusst aber bereits jetzt die Steuerlast der Unternehmen. Ab 2008 zahlt die Münchener Rück als Folge der Steuerreform nur noch 33 Prozent statt bisher 40 Prozent Steuern. Das wirkt sich bereits heute aus, weil der Konzern die Vorsorge, die er für künftige Steuern bilden muss, wegen des niedrigeren Steuersatzes reduzieren kann. Im Konzern führt das zu Entlastungen von 432 Millionen Euro, davon entfallen 314 Millionen Euro auf die Rückversicherung und 118 Millionen Euro auf die ebenfalls zum Konzern gehörende Erstversicherung, die in der Ergo Versicherungsgruppe gebündelt ist. Zu Ergo gehören die Victoria, die Hamburg-Mannheimer, die DKV und der Rechtsschutzversicherer D.A.S.

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