Wirtschaft : Münzen verlieren an Wert

Der Euro wird den Sammler-Markt in Turbulenzen stürzen BERLIN (fbs).Telefonkarten, Briefmarken, Mineralien oder Bierdeckel - viele Deutsche sind leidenschaftliche Sammler und haben kostspielige Kollektionen zusammengetragen.Dazu gehören auch Münzen.Verlieren diese Sammlungen durch die Einführung des Euro an Wert? Es ist schwer vorauszusagen, ob der Euro ihren Wert vergrößern oder beeinträchtigen wird.Da es sich bei der Europäischen Währungsunion aber nicht um eine Währungsreform wie etwa 1948 handelt, wird es auf dem Münzmarkt nicht zu Massenverkäufen und Preisstürzen kommen, sagen Numismatik-Experten.Wahrscheinlich ist eher, daß mit der besseren Vergleichbarkeit große Preisdifferenzen zwischen den nationalen Sammlermärkten ausgeglichen werden. Wer eine Münzsammlung besitzt, die er vielleicht geerbt hat, und keinen rechten Bezug zum Sammeln hat, könnte die Währungsumstellung dazu nutzen, Ordnung in seinen Bestand zu bringen."Jetzt ist ein günstiger Moment, sich von Ballast zu trennen", rät Egon Gaupp, Leiter der Numismatikabteilung bei der Deutschen Verkehrsbank, München.Das gilt vor allem für die silbernen Gedenkmünzen, die in der Bundesrepublik seit 1952 ausgegeben werden.Diese 5-DM-Münzen (von 1987 an 10 DM), auf denen bestimmte Ereignisse (etwa die deutsche Vereinigung) oder Persönlichkeiten (z.B.Ludwig van Beethoven) abgebildet sind, gelten bislang als offizielles Zahlungsmittel.Nach der Einführung des Euro werden sie nur noch Materialwert haben, warnt die Verkehrsbank.Je nach Münztyp wären das zur Zeit zehn bis 50 Prozent ihres Nennwertes.Eine 10 DM-Gedenkmünze wäre dann beispielsweise nur noch magere 3,50 DM wert.Die Münzen aus der Anfangszeit haben dabei aufgrund ihrer geringen Auflage einen höheren Sammlerwert (bis 2500 DM).Gedenkmünzen neueren Datums hingegen wurden in einer Auflage von durchschnittlich acht Millionen geprägt."Keine Münze seit 1970 hat mehr als den Nominalwert", sagt Gaupp. Wer statt seiner Gedenkmünzen also lieber normale Zehnmarkscheine haben will, wendet sich am besten an die Landeszentralbanken, die die Münzen annehmen müssen.Doch nicht nur die modernen Silberlinge haben als Anlage ausgedient.Auch bei klassischen Münzen dürften die Preise künftig unter Druck geraten."Die Erbengeneration hat am Sammeln immer weniger Interesse", erklärt Gaupp.Deshalb würden historische Sammlungen immer häufiger am Markt angeboten.Geld in Sammlungen zu stecken, um es vor dem Euro in Sicherheit zu bringen, ist vor diesem Hintergrund eher riskant, vor allem wenn man weder den Markt noch den Wert der Münzen kennt.

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