Wirtschaft : Multimedia: Berater, Forscher und Techniker

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Eine Ewigkeit scheint es her, dass Paulus Neef mit zwei Freunden in einem Wilmersdorfer Gartenhaus seine "Multimedia Produktionsgesellschaft" gegründet hat. Damals gab es noch kein weltumspannendes Internet. Das erste Geld verdienten sie damit, CD-Roms zu programmieren. Dann kam die Zeit der Vernetzung und erste Unternehmen wollten mit ihrer eigenen Adresse im Web vertreten sein. Multimedia-Agentur nannten sich die Dienstleister, die die Programmiersprache beherrschten und in der Lage waren, die Zeichenreihen in bunte Internetseiten umzuwandeln. Deshalb wurde auch die "Produktionsgesellschaft" 1995 zur Agentur.

Heute, in der Internetrechnung siebzig (ein Jahr sind sieben Internetjahre), in Echtzeit weniger als zehn Jahre nach der Gründung, ist auch dieses Namenskleid zu eng geworden. "Wir sind ein Full-Service-Internet-Dienstleister", sagt Unternehmenssprecher Marcus Bond. Neben dem Agenturgeschäft sind auch die Bereiche Technologie und Beratung wichtig geworden. In den ersten neun Monaten 2000 setzte Pixelpark 146,5 Millionen Mark um. 1000 Pixels, wie sich Mitarbeiter nennen, arbeiten auf fünf weitläufigen Etagen der ehemaligen Lampenfabrik Narva in der Friedrichshainer Oberbaum-City. Was sie, aber auch andere Multimedia-Dienstleister zu bieten haben, zeigt ein Rundgang durch die Fabrik.

Im gläsernen Fahrstuhl gehts zunächst hinauf in den dritten Stock. Hier sitzen die Berater. Das Internet verändert die Art wie Unternehmen arbeiten. Teams vernetzen sich, Hierachien schrumpfen, neue Arbeitsprozesse entstehen. Wenn ein Kunde beschlossen hat, ins Netz zu gehen, veranstalten die Berater mit ihm einen Workshop. Da wird analysiert, wie das Unternehmen vom Netz profitieren kann, welche Produkte zum Beispiel über das Internet vertrieben werden, ob neue Leute eingestellt werden müssen oder Abteilungen über ein Intranet miteinander verbunden werden. Später begleiten die Berater die Veränderungen im Unternehmen, indem sie die Mitarbeiter schulen. Seit zweieinhalb Jahren investiert Pixelpark kräftig in den Consulting Bereich: "Das Thema Internet ist in den Unternehmen immer weiter nach oben gerutscht", sagt Bond. "Heute ist der Anschluss an die digitale Welt ein Vorstandsthema."

Erteilt der Kunde den Auftrag, gehts hinauf in den ausgebauten Dachstuhl, die Kathedrale. Im Arbeitsbereich Agentur sitzen die Kreativen. Sie entwerfen die Navigation - den roten Faden durch die Website - und machen Vorschläge für die Optik. Dabei wird nicht nur darauf geachtet, dass die Seite gut aussieht, sie soll auch einfach zu bedienen sein. Ist das Konzept stimmig, beauftragt das Dachgeschoss die Technik-Spezialisten in der ersten und zweiten Etage. Was man im Internet sehen kann, ist nur die Spitze des Eisbergs. E-Commerce Anbieter können ihre komplexen Seiten hier programmieren lassen. In Zukunft werden Fernsehen und Internet immer mehr verschmelzen. So wird es möglich sein, einen Spielfilm anzuhalten und die Sonnenbrille des Stars per Touchscreen zu bestellen. Damit das Produkt auch beim Kunden ankommt, wird das Thema Logistik immer wichtiger. Deswegen hat Pixelpark im März vergangenen Jahres das Berliner Zentrum für Logistik (ZLU) übernommen.

Ein weiterer Trend ist Mobilität. Wo man geht und steht wird es möglich sein, übers Internet zu kommunizieren. Um auf die Zukunft vorbereitet zu sein, arbeitet im zweiten Stock das Institute for Media Development (IMD). "Ein internationales Forscher-Team antizipiert Technologietrends, testet Innovationen und lotet zukünftige Marktpotenziale aus", sagt Bond. Der Rundgang endet in der Empfangshalle. Sie ist nicht nur Verbindungspunkt für die fünf Etagen, hier laufen auch die Informationen aus aller Welt zusammen. Pixelpark gibt es an siebzehn weiteren Orten, darunter Sao Paulo, Budapest und New York. Gerade wird wieder einmal umstrukturiert. Wie das Unternehmen danach aussehen wird, wird sich zeigen. Einen neuen Namen gibt es schon: "Digital Business Innovator".

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