Wirtschaft : Musikgeschäft: Bertelsmann prüft Zusammenschluss mit EMI

Nach der geplatzten Fusion von EMI mit Time Warner hat der Markt bereits neue Interessenten für das britische Musikunternehmen ausgemacht. So soll etwa der Bertelsmann-Konzern Interesse an einem Zusammenschluss seiner Tochtergesellschaft BMG (Bertelsmann Music Group) mit EMI haben. Auch die Hongkonger Internetholding Pacific Century Cyberworks ist laut einem Bericht der "New York Times" an einer Übernahme des Musikkonzerns interessiert.

Offiziell bestätigt Bertelsmann die Marktgerüchte nicht. "Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung", sagte ein Sprecher des Gütersloher Medienunternehmens. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte Bertelsmann klargestellt, Ziel sei es, noch in diesem Jahr die weltweite Nummer Eins im Musikgeschäft zu werden. Mitte September hatte der für das Musikgeschäft zuständige Vorstand Michael Dornemann nicht ausgeschlossen, im Falle eines Verbots der Fusion selbst ein Gebot für EMI abzugeben. "Wenn die Möglichkeit da ist, sind wir offen", sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz.

Aus Unternehmenskreisen hieß es, noch führe Bertelsmann keine Verhandlungen mit EMI. Bertelsmann stehe nicht vor der Tür der EU-Kommission und winke mit fertigen Verträgen, wenn eine Fusion abgesagt werde. Zunächst müsse im Detail geprüft werden, aus welchen Gründen die Kommission den Zusammenschluss abgelehnt habe und was dies für Bertelsmann bedeute. Erst dann könne das Unternehmen in Verhandlungen treten. An ausreichender Liquidität fehlt es Bertelsmann nicht.

Angesichts der Widerstände der EU-Wettbewerbshüter hatten EMI und Time Warner ihre Fusionsanmeldung in Brüssel zurückgezogen. Gemeinsam hätten sie ein Viertel des Weltmusikmarktes und mehr als 50 Prozent der weltweiten Vermarktungsrechte kontrolliert. Auch das Angebot, kleinere Plattenlabel in Frankreich, Spanien und Dänemark zu verkaufen, hätte eine Untersagung offenbar nicht verhindern können. Die Wettbewerbshüter fürchteten ein marktbeherrschendes Oligopol, bei dem die Anbieter EMI/Warner Music, Universal Music, Sony Music und BMG den Musikmarkt ungehindert untereinander aufteilen könnten - vor allem beim digitalen Musik-Vertrieb via Internet. Damit würde die Gefahr wettbewerbsfeindlicher Preisabsprachen zu groß, hatte Brüssel argumentiert.

Dagegen sind die Chancen der fusionsbereiten US-Konzerne America Online (AOL) und Time Warner auf eine Genehmigung aus Brüssel nach dem Scheitern der Verbindung EMI/Time Warner gestiegen. Die EU-Kommission wird voraussichtlich am Mittwoch über das Zusammengehen des Onlinedienstes mit dem Medienkonzern entscheiden. Der Beschluss der Kommission könne aber auch auf den 18. Oktober verschoben werden. Die offizielle Prüffrist läuft am 24. Oktober aus.

Am Donnerstag sprach sich der Beratende Ausschuss für eine Billigung aus, hieß es in Industriekreisen. Das Votum dieses Gremiums ist aber für die Kommission nicht bindend. Die EU-Kommission hatte bei der Fusion vor allem Bedenken wegen des Internetgeschäfts. So könnte AOL Zugang zu einem riesigen Musikrepertoire erhalten. Die Vereinigung von unabhängigen Musikunternehmen (Impala) blieb weiterhin sehr besorgt über die geplante Fusion. Der Schritt zum digitalen Geschäft in der Musikbranche dürfe nicht auf Kosten von Kreativität und Vielfalt gehen, warnte der Verband.

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