Wirtschaft : Nach dem Fehlstart: Jetzt beginnt an der Börse die Aufholjagd

Susanne Schmitt

Das Börsenjahr 2001 begann mit einem Fehlstart: Am ersten Handelstag des Jahres herrschte an der Börse noch Katerstimmung. Im alten Jahr hatte es weder eine Herbst- noch eine Weihnachtsrallye gegeben und das Finale zum Jahresende 2000 war auch ausgefallen. So schloss der Dax am 2. Januar mit mehr als zwei Prozent im Minus bei 6289 Punkten. Verhagelt hatte den Start auch eine Überraschung aus der New Economy: Das Vorzeigeunternehmen Intershop schockte die Anleger mit einer drastischen Gewinnwarnung.

Die schlechte Stimmung ist mittlerweile verflogen. US-Notenbankchef Alan Greenspan sorgte mit seiner überraschenden Zinssenkung am 3. Januar für ein positives Signal. Zwar blieb der Handel in den ersten beiden Wochen nervös, doch der Aufwärtstrend konnte sich zuletzt festigen. Der Dax verbuchte im ersten Monat ein kräftiges Plus von fünf Prozent und tendiert mittlerweile kontinuierlich bei über 6700 Punkten.

Nach den Enttäuschungen des vergangenen Jahres schichteten die Anleger im Januar ihre Portfolios um: Weg von den unsicheren Technologiewerten - hin zu defensiven Titeln. Große Ausnahme: Die SAP-Aktie. Der Titel hat nach Ansicht der Analysten von Merill Lynch das Zeug dazu, die "Software-Aktie des Jahres" zu werden. Mit einem Plus von mehr als 37 Prozent auf einen Kurs über 200 Euro steht SAP im Januar an der Spitze der Gewinnerliste im Dax. Nach einem Umsatzzuwachs von 23 Prozent und einem um vier Prozent höheren Gewinn im vergangenen Jahr überzeugte der Walldorfer Sofware-Konzern die Anleger davon, dass auch im ersten Halbjahr 2001 ein über dem Durchschnitt liegendes Niveau bei Umsatz und Gewinn zu erwarten ist.

Vom Trend hin zur "Old Economy" profitierten vor allem Titel wie MAN und Thyssen-Krupp, beide Aktien notierten am Ende des Monats über 20 Prozent höher als zu Beginn. Bei MAN begründeten die Börsianer die Trendumkehr mit einer technischen Gegenreaktion. Die Aktien des Thyssen-Krupp-Konzerns gewannen, nachdem Analysten der Deutschen Bank den gesamten europäischen Stahlsektor hochgestuft hatten. Alle Werte seien massiv unterbewertet, hieß es zur Begründung. Zum anderen ist es endlich gelungen, den Transrapid zum Schweben zu bringen. Der Bau der Magnetschnellbahn in China versetzte nicht nur Thyssen-Krupp, sondern auch Siemens einen Schub nach oben - beide Unternehmen gehören zum Transrapid-Konsortium. Überflügelt wurde Siemens allerdings von den weit höheren Gewinnen der Tochter Infineon.

Auch wenn die Daimler-Chrysler-Aktie am Ende des Monates wieder auf der Verliererseite steht - in der Januar-Bilanz steht der Wert mit einem Plus von gut 13 Prozent weit vorn. Offenbar hatten die Anleger Vertrauen, der Automobilkonzern werde die Probleme bei Chrysler wieder in den Griff bekommen. Nach den zuletzt angekündigten Entlassungen überwog allerdings wieder der Verkaufsdruck.

Ein Wettrennen um die Gunst der Anleger lieferten sich Karstadt-Quelle und Adidas. Bei Karstadt sorgten die angekündigten Umstrukturierungen für ein sattes Kursplus von rund 15 Prozent. Adidas-Salomon gewannen 17,4 Prozent, nachdem Gerüchte laut wurden, der Wert werde auch nach der Dax-Neuordnung im Index bleiben.

Von der allgemeinen Schwäche der Technologietitel konnten allerdings weder die Aktien der Versorger noch der Versicherer profitieren. Eon und RWE schlossen den Monat mit einem Minus ab. Die Aktien der Allianz verloren 7,5 Prozent, Münchner Rück 8,7 Prozent. Nach den Kurszuwächsen des vergangenen Jahres gelten die Aktien als relativ hoch bewertet. Andere Finanztitel wie der Bankensektor verbuchten Gewinne. Die Chemiewerte machten ebenso wenig Boden gut, auch wenn etwa Schering und Fresenius Medical Care immer wieder zum Kauf empfohlen werden.

Am Ende des Monats überwog an der Börse die Vorsicht. Mit Spannung wurde am Mittwoch eine erneute Zinssenkung der US-Notenbank erwartet, der Dax tendierte nur knapp behauptet.

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