Wirtschaft : Nach der Dürre wird das Bier teurer

Ernteausfälle beim Getreide treffen vor allem Braugerste / Bauern fordern Bundeshilfen und neue Versicherung

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Berlin (pet). Die große Trockenheit, die zu einer mageren Getreideernte geführt hat, wird das Bier im kommenden Frühjahr teurer machen. „Die Verknappung beim Braugetreide wird sich im nächsten Frühjahr mit Sicherheit bei den Bierpreisen auswirken“, sagte Hansjörg Bosch, der Geschäftsführer des Deutschen Brauerverbandes, dem Tagesspiegel. „Die Preise werden anziehen.“

Der Deutsche Bauernverband hatte am Mittwoch eine vorläufige Erntebilanz vorgelegt. Danach wird die Getreideernte in diesem Jahr um zehn bis 15 Prozent unter dem wegen Hochwasser und Starkregen schlechten Vorjahresergebnis von 43,4 Millionen Tonnen liegen. In einigen Regionen wie Brandenburg gebe es sogar Ertragsausfälle von bis zu 80 Prozent bei Gerste und Roggen, sagte Adalbert Kienle, VizeGeneralsekretär des Deutschen Bauernverbandes, in Berlin. Bei der Braugerste, die Grundstoff für Malz und damit für Bier ist, liegen die Ernteausfälle allein in Bayern bei bis zu 25 Prozent.

Dass auch Brot und Brötchen durch die schlechte Getreideernte in den nächsten Monaten teurer werden, hält der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks für unwahrscheinlich. „Der Wettbewerb ist so hart, dass sich die meisten Bäcker keine Preiserhöhung erlauben können“, sagte eine Sprecherin des Bäckerverbandes. Auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte, wegen des EU-Binnenmarktes und des Angebots aus Drittländern sei nicht mit einer Teuerung beiGrundnahrungsmitteln wie Brot zu rechnen.

Auch Fleisch könnte teurer werden

Allerdings könnten die Fleischpreise anziehen, da auch Futtergetreide knapper und damit teurer wird. „Die Rohstoffpreise reagieren sofort auf eine Verknappung“, sagte Rainer Stratmann, Getreideexperte bei der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für die Landwirtschaft (ZMP) in Bonn. Schon jetzt liege der Weizenpreis um drei bis fünf Prozent über dem Vorjahrespreis, der Roggenpreis sei sogar um bis zu 15 Prozent teurer. 40 Prozent der insgesamt 19 Millionen Tonnen Mischfutter, die für die Fütterung von Schweinen und Geflügel jährlich in Deutschland produziert werden, bestehen aus Getreide. „Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen die teureren Mischfutterpreise weitergeben“, sagt Stratmann. „Das wird sich in den nächsten Wochen bei den Verbraucherpreisen zeigen.“ Auf die Obst- und Gemüsepreise hat die Trockenheit nach Angaben der ZMP dagegen keinen Einfluss. Mit Ausnahme von Blumenkohl liegen die Gemüsepreise nach ZMP-Angaben sogar unter dem Durchschnittspreis der Vorjahre. „Eine Preisspitze ist nicht in Sicht“, sagte ZMP-Experte Hans-Christoph Behr. Dagegen sei Obst zurzeit vergleichsweise teuer, weil zur Blütezeit im Frühjahr die Witterung in den Anbaugebieten für Äpfel, Pfirsiche und Nektarinen ungewöhnlich kalt gewesen sei.

Angesichts der massiven Ernteausfälle beim Getreide fordern die Bauern finanzielle Hilfen von Bund und Ländern sowie eine neue Versicherung gegen Dürre, Dauerregen und andere extreme Wettererscheinungen. Die Häufung solcher Wetterextreme in den vergangenen Jahren habe viele Betriebe in finanzielle Not gebracht, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, am Mittwoch. In mehreren EU-Ländern und den USA gebe es eine solche Versicherung bereits. „Wir sind nicht gänzlich abgeneigt“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dieser Zeitung. „Aber nur, wenn sich der Staat beteiligt.“ Bei Risiken, die alle zwei bis drei Jahre aufträten, würde sich eine Versicherung aus Sicht der Versicherer nicht rentieren. Der GDV habe bereits im Jahr 2001 ein Modell für eine solche Versicherung erarbeitet und sei zu Gesprächen mit der Bundesregierung bereit. Doch das Verbraucherministerium lehnt eine solche Beteiligung ab. „Unserer Meinung nach ist es nicht Aufgabe des Staates, Risiken wie Trockenheit zu versichern“, sagte eine Sprecherin des Verbraucherministeriums.

Allerdings schloss das Ministerium Bundes-Hilfen für Bauern nicht aus. Voraussetzung sei, dass die Ernteausfälle ein „nationales Ausmaß“ erreichten. Ob das der Fall sei, werde Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) entscheiden, wenn das endgültige Ernteergebnis vorliege. Dies sei voraussichtlich Ende August der Fall. „Es kann aber nur darum gehen, den Bauern Hilfe zur Existenzsicherung zu geben, aber nicht den Schaden auszugleichen“, sagte die Sprecherin.

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