Wirtschaft : Nach der Telekom will auch E-Plus die Preise senken

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Branchenvertreter sehen "Mobilfunkgebühren bald so niedrig wie im Festnetz"hop

Der mit über 3,8 Millionen Kunden drittgrößte deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus will seine Gesprächsgebühren in naher Zukunft reduzieren. "Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. Die Preissenkung wird dann im Laufe der nächsten drei Monate umgesetzt", sagte Denise Meggeneder, Pressesprecherin von E-Plus.

Damit reagieren die Düsseldorfer auf die neue Preisrunde am Handymarkt, die von der Mobilfunktocher der Deutschen Telekom, T-D1, vergangene Woche eingeleitet wurde. Die Bonner hatten angekündigt, ab dem 21. Januar für Wochenend- und Feiertagsgespräche vom Handy ins Festnetz nur noch 18 Pfennige je Minute zu verlangen. Ausgenommen von der Gebührensenkung bleiben Nutzer von den vor allem bei Jugendlichen beliebten vorbezahlten Karten, den so genannten Pre-Paid-Cards. Offensichtlich will T-D1 den Abstand zum Marktführer D2-Mannesmann nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 1999 weiter verringern. Mit T-D1 telefonieren mittlerweile über neun Millionen Menschen in Deutschland, D2 hat einige Hundertausend Kunden mehr. Anfang dieser Woche folgte deswegen D2 der Telekom und will ab Februar ebenfalls Wochenend- und Feiertagsgespräche für 18 Pfennige anbieten. Einbezogen werden dabei auch die Pre-Paid-Kunden.

E-Plus zeigte sich allerdings von den Initiativen der Konkurrenz nicht überrascht. "Die Tarife sinken ohnehin ständig", sagte Meggeneder. Offen sei immer nur, welcher der Anbieter eine neue Preisrunde einleite. Ähnlich schätzt man die Lage beim mit knapp über eine Million Kunden kleinsten Anbieter, der Münchner Viag Interkom ein. "Wir sehen uns nicht unter Zugzwang," heißt es dort in der Pressestelle. Preissenkungen würden bei VIAG Interkom kontinuierlich diskutiert, seien aber aktuell nicht geplant. Kritisiert wird, dass die Tarifstrukturen durch die neuen Regelungen weiter kompliziert würden.

Ohnehin ist die Vielzahl an Tarifoptionen für die Verbraucher kaum zu überschauen. Jede Tarifübersicht ist mit einer Menge Fußnoten, Grundgebührmodellen und Sondertarifen ausgestattet. E-Plus wirbt mit in der Grundgebühr eingeschlossenen Freiminuten. Viag Interkom verweist auf die kundenfreundliche sekundengenaue Abrechung. D2-Mannesmann bietet verschiedene Optionen, in vom Kunden ausgesuchten Ortsnetzbereichen billiger zu telefonieren. Ähnliche Möglichkeiten bietet T-D1. Hinzu kommen Preisvorteile für längere Gespräche über zehn Minuten. Sowohl D2 als auch D1 bieten reduzierte Tarife bei Ortsgesprächen an.

Für den Geschäftsführer des Branchenverbandes der deutschen Telekommunikationsunternehmen (VATM), Jürgen Grützner, kommen die jüngsten Tarifsenkungen nicht überraschend, obwohl die Anbieter offiziell im vergangenen Jahr von einem weiteren Preiskampf nichts wissen wollten. Solche Spekulationen waren bei dem Versuch der France Télécom, E-Plus zu übernehmen, aufgekommen. "Vor dem Jahreswechsel gab es einen hohen Zuwachs bei den Handynutzern. In diesem Umfeld waren keine Preissprünge nötig." Täglich würden 40 000 neue Verträge von den Mobilfunkbetreibern bearbeitet. Die eingespielten Kunden-Teams seien vorhanden und müssten weiter ausgelastet werden. Mehr Kunden werden klassisch über niedrigere Tarife gewonnen. "Der Preisspielraum ist offensichtlich da. Engpässe in den D-Netzen werden zur Zeit behoben. In den E-Netzen sind ohnehin ausreichend Kapazitäten vorhanden. Wohl schon nächstes Jahr werden wir bei Handies Gebühren haben wie heute im Festnetz", sagte Grützner weiter. Das Handy werde zum normalen Begleiter. Bald werde niemand mehr von den Handygebühren abgeschreckt werden. Tatsächlich sind die neuen Tarife auf einem Niveau, mit dem in der Anfangszeit der Festnetz-Liberalisierung geworben werden konnte. Mobilcom bot Ferngespräche für damals unglaubliche 19 Pfennige an. Mit der neuen Preisrunde hat der Mobilfunk dieses Preisniveau erreicht.

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