Wirtschaft : Nachmachen gilt nicht

Verleihung des Plagiarius 2005 für die dreistesten Produktfälschungen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Ein Kavaliersdelikt ist es längst nicht mehr. Es geht um Wirtschaftskriminalität, die weltweit jedes Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden von 300 Milliarden Euro anrichtet und 200000 Arbeitsplätze vernichtet. Auch in Deutschland fallen dadurch 50000 Jobs weg, schätzen Experten. Mit dem Negativ-Preis Plagiarius wurden am Freitag auf der Konsumgütermesse Ambiente wieder die dreistesten Nachahmer ausgezeichnet. Längst sind es nicht mehr nur Firmen aus China, die abkupfern. Den ersten Preis erhielt eine Waschbecken-Armatur, deren Wasserhahn bis ins kleinste Detail dem Original des nordrhein-westfälischen Hersteller Aloys F. Dornbracht gleicht. Der Produzent der Fälschung ist allerdings unbekannt.

Zu den diesjährigen Preisträgern zählt auch Boehringer Ingelheim. Warum die Pharmafirma ausgerechnet einen Eieröffner der Firma Take2 aus Rosenheim nachgebaut hat, bleibt ihr Geheimnis. Denn die Ausgezeichneten waren in Frankfurt nicht anwesend.

Aber auch diesmal waren es vor allem chinesische Firmen, die fleißig abgekupfert haben – Messgeräte, Druckventile oder Keramik. Der Porzellan-Hersteller Chengda wurde als „Serientäter“ gekürt. Nach Ansicht von Rido Busse, der den Plagiarius – einen schwarzen Zwerg mit goldener Nase – vor 29 Jahren schuf, wird es zunehmend schwieriger, das Nachahmen einzudämmen. Die Produktzyklen würden immer kürzer. „Kaum sind die Ideen auf Messen präsentiert, läuft nicht nur der Absatz an, sondern häufig auch die Produktion der Plagiate.“ Um so wichtiger seien eingetragene Schutzrechte.

Meist säßen die Auftraggeber in Europa und den USA. Um Konkurrenten zu schwächen, würden Firmen in China beauftragt, Kopien herzustellen. Aber auch den Konsumenten nahm Busse in die Pflicht. Zwar mögen viele unwissentlich Plagiate kaufen, doch über die Beachtung von Qualitätsstandards könnten sie vorbeugen. Wenig Verständnis zeigte er für Leute, die bewusst Kopien kaufen – im Urlaub oder im Internet.

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