Nächster Versuch : GSW geht vielleicht noch vor Ostern an die Börse

Der Berliner Wohnimmobilienkonzern GSW will seine Aktien im zweiten Quartal an der Börse notieren lassen. Es ist der zweite Anlauf.

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Hoch hinaus. Bereits zum zweiten Mal versucht die Berliner GSW den Sprung an die Börse. Diesmal sind die Analysten optimistisch.
Hoch hinaus. Bereits zum zweiten Mal versucht die Berliner GSW den Sprung an die Börse. Diesmal sind die Analysten optimistisch.Foto: dapd

Neuer Versuch, neues Glück. Nach einem gescheiterten Vorstoß im vergangen Mai will der Berliner Wohnimmobilienkonzern GSW jetzt erneut versuchen, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Im zweiten Quartal will die GSW ihre Aktien nach eigenen Angaben im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse notieren lassen. Wie der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen erfuhr, könnte das bereits vor Ostern passieren.

Seit ihrer Privatisierung 2004 gehört die GSW dem Finanzinvestor Cerberus und dem Goldman-Sachs-Fonds Whitehall. Im Zuge des Börsengangs würden die beiden einen Teil ihrer Anteile als Aktien verkaufen, hieß es am Dienstag von Seiten des Unternehmens. Zusätzlich würden Papiere im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgegeben. Das dadurch eingesammelte Geld will Vorstandschef Thomas Zinnöcker für den Erwerb neuer Wohneinheiten verwenden. Außerdem will er damit ausstehende Steuerschulden von etwas mehr als 40 Millionen Euro begleichen.

Nach eigenen Angaben besitzt die GSW derzeit knapp 50 000 Wohneinheiten in Berlin und verwaltet rund 15 800 Wohn- und Gewerbeeinheiten für Dritte. Der erste Versuch, die GSW an die Börse zu bringen, war im Mai 2010 gescheitert. Aufgrund der Unsicherheit an den Aktienmärkten, ausgelöst durch die Griechenlandkrise, hatte das Unternehmen den Börsengang damals wieder abgesagt. Und das obwohl die GSW bereits 30 Millionen Euro an das Land Berlin bezahlt hatte, um den Börsengang überhaupt möglich zu machen. Für diese Zahlung hatte das Land seinen Anspruch abgetreten, über neue Eigentümer mitentscheiden zu dürfen.

Analysten sind jetzt jedoch optimistisch, dass die GSW ihre Aktien diesmal erfolgreich platzieren kann. „Die Marktstimmung hat sich seit letztem Sommer stark verbessert“, sagte Ulf van Lengerich, Immobilienanalyst bei der Solventis Wertpapierhandelsbank, dem Tagesspiegel. Gerade vor dem Hintergrund einer drohenden Inflation wären Immobilienaktien derzeit wieder gefragt. „Außerdem hat die GSW ihre Probleme bei der Refinanzierung in den Griff bekommen“, sagte van Lengerich. So konnte ein Kredit von 890 Millionen Euro, der in diesem Jahr fällig geworden wäre, refinanziert werden. Weitere Kredite, die in den nächsten zwei Jahren fällig werden, gibt es nach Angaben des Unternehmens derzeit nicht.

Außerdem kommt der GSW zugute, dass der Wert deutscher Immobilien in den letzten Jahren stabil geblieben ist. Während die Preise im Zuge der Finanzkrise in anderen Ländern wie in den USA, in Großbritannien oder in Spanien einbrachen, konnten sie ihr Niveau hierzulande halten.

„Für die Mieter dürfte der Börsengang keine großen Auswirkungen haben“, sagte van Lengerich. Zwar hätten Aktionäre stets ein Interesse an steigenden Mieten. Doch das gelte auch bereits für die derzeitigen Inhaber und Finanzinvestoren Goldman Sachs und Cerberus. Der Druck auf die GSW, ihre Mieten zu erhöhen, würde durch den Börsengang daher nicht steigen, sagte van Lengerich. In gewisser Weise hätten die Mieter sogar einen Vorteil: Durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft würde das Unternehmen transparenter. So muss es dann regelmäßig seine Geschäftsberichte offenlegen und zum Beispiel preisgeben, was die Vorstände verdienen.

Eine Übernahme der GSW durch die Deutsche Wohnen AG (Deuwo) ist derweil trotz angekündigtem Börsengang nicht vom Tisch. Allerdings wird es für Deuwo-Chef Michael Zahn dadurch deutlich schwieriger. „Er müsste mindestens soviel für die GSW bieten, wie das Unternehmen an der Börse einsammeln kann“, sagte Dieter Thomaschowski vom Analysehaus Investment Research in Change.

Statt einer Übernahme hält Analyst van Lengerich es für wahrscheinlicher, dass die Deuwo nach dem Börsengang über den freien Markt Aktien erwirbt und sich so einen Anteil an der GSW sichert.

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