Wirtschaft : Nahverkehrsträger wollen Ersatz für Interregios

Ab 2006 könnte bundesweit ein neues Expressnetz starten

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Berlin (hop). Für die mittlerweile fast komplett eingestellten InterregioVerbindungen der Deutschen Bahn soll es bald Ersatz geben. Am Mittag stellte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (BAG-SPNV) ein entsprechendes Konzept in Berlin vor. In der Arbeitsgemeinschaft sind bis auf wenige Ausnahmen alle wichtigen Verkehrsverbünde und Nahverkehrsträger in Deutschland zusammengefasst. Nach den Plänen des BAG-SPNV soll ein bundesweites Expressnetz die Lücke zwischen Nah- und Fernverkehr, die durch den Wegfall des Interregios entstanden sei, schließen.

Allerdings wird es noch dauern, bis Reisende mit so genannten „RE X“-Zügen tatsächlich fahren können. Nach dem von der BAG-SPNV vorgelegten Zeitplan wäre die vollständige Umsetzung des Konzepts bis 2010 möglich. In ersten Teilen könnte es Ende 2006 starten. Ein Markt für schnelle Interregio-Züge sei vorhanden, sagte der BAG-SPNV-Vorstandsvorsitzende Uwe Stindt. So sei der private Bahn-Konkurrent Connex mit seinen Verbindungen zwischen Gera und Rostock sehr erfolgreich, obwohl die Deutsche Bahn die Strecke als nicht rentabel abgeschrieben hatte.

Stindt räumte allerdings ein, dass das bisherige Interregio-Konzept nicht mehr funktioniert habe. Es sei auch deshalb gescheitert, weil die Züge für die Verkehrsverbünde zu günstig gefahren seien. Der Interregio sei oft mehr oder weniger als Nahverkehrszug missbraucht worden. Dies heiße jedoch nicht, dass man auf Züge verzichten könne, die unterhalb der schnellen ICEs angesiedelt seien. Dem BAG-SPNV schwebt ein Netz von 34 schnellen RE X-Linien mit einer Streckenlänge von 9730 Kilometern und jährlich 60 Millionen Zugkilometern vor. Davon würden zwar schon heute 45 Millionen Zugkilometer bedient, es gebe aber Ergänzungsbedarf. Die Zahl der potenziellen Fahrgäste wird auf 120 bis 150 Millionen geschätzt. Vor allem ostdeutsche Bundesländer seien von dem Wegfall der Interregios getroffen worden und hätten Ersatzbedarf.

Das größte Problem ist allerdings die Finanzierung. Nicht alle Strecken würden sich tatsächlich tragen. Deshalb müsse es auch öffentliche Zuschüsse für bestimmte Linien geben. So trage sich zum Beispiel die Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Nordsee nicht auf allen Abschnitten – wie „im tiefsten Emsland“. Der BAG-SPNV rechnet daher mit öffentlichen Mitteln von bis 75 Millionen Euro jährlich, die zur Finanzierung eines ausreichenden Netzes nötig wären.

Sowohl der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Albert Schmidt, als auch der FDP-Fraktion, Horst Friedrich, begrüßten das Konzept. Friedrich forderte, dass die Bahnreform weitergeführt und Netz und Betrieb der Bahn voneinander getrennt würden, da der Zugang zum Streckennetz für Bahn-Konkurrenten noch zu schwer sei. Das hinderte Connex allerdings nicht daran, bereits am Mittwochabend Interesse an dem Konzept der BAG-SPNV zu signalisieren. Connex sei bereit, an entsprechenden Planungen und Ausschreibungen teilzunehmen, hieß es in einer Mitteilung.

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