Wirtschaft : Neue Bankenfusion in Berlin angepeilt

BERLIN (cbu/HB).Die Sanierung der schwer angeschlagenen Grundkreditbank eG - Köpenicker Bank (GKB) ist nach eigenen Angaben bis Ende dieses Jahres abgeschlossen.Jetzt macht GKB-Sanierer Karl Kauermann der Berliner Volksbank ein offizielles Fusionsangebot.Der Zusammenschluß der beiden Institute zur dann mit Abstand größten deutschen Genossenschaftsbank soll nach dem Willen Kauermanns bereits zum 1.Januar 1999 vollzogen werden.

Der Vorstand der Grundkreditbank will noch in dieser Woche der Berliner Volksbank Verhandlungen über einen Zusammenschluß anbieten, sagte der GKB-Vorstandsvorsitzende Kauermann gegenüber dem Handelsblatt.Es seien bereits inoffizielle Gespräche geführt worden.Kauermann hat nach eigenen Angaben bei seinem Vorstoß die Unterstützung des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Bonn sowie des genossenschaftlichen Spitzeninstituts, der DG-Bank.Von der Berliner Volksbank war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Es gehe um eine "kraftvolle Präsentation" des Genossenschaftsbanken-Sektors in der Hauptstadt, begründete Kauermann seinen Vorstoß.Der Marktanteil der Genossenschaftsbanken in Berlin sei sehr viel niedriger als im übrigen Bundesgebiet.Die GKB erreiche einen Marktanteil von knapp unter zwei Prozent, die Volksbank von etwas über zwei Prozent.Durchschnittlich liege der genossenschaftliche Marktanteil in Deutschland bei etwa 20 Prozent."So schlecht wie in Berlin sind wir nirgendwo," meinte Kauermann.Um ein langfristig profitables Geschäft zu machen, müsse das fusionierte Institut den Marktanteil auf acht bis zehn Prozent verdoppeln.Eine starke Genossenschaftsbank in der Hauptstadt habe das Zeug zu einem "Flaggschiff" des gesamten Sektors.Als Maßgröße gab Kauermann das Erreichen einer Bilanzsumme von rund 50 Mrd.DM in zehn Jahren an.

GKB und Volksbank würden auf Basis der Zahlen für 1997 zusammen eine Bilanzsumme von etwa 27 Mrd.DM erreichen.Das Synergiepotential durch eine Fusion bezifferte Kauermann auf etwa 50 Mill.DM im Jahr.Vorstellbar sei, daß die GKB und die Volksbank ihren getrennten Marktauftritt in Berlin behalten, sagte Kauermann weiter.Die GKB könne in stark abgespeckter Form, etwa mit bis zu drei Standorten (derzeit etwa 35 Filialen), weiter das gehobene Privatkundengeschäft ansprechen.Denkbar sei zum Beispiel, daß die Zentrale an der Budapester Straße bestehen bleibt sowie ein oder zwei Standorte, etwa am Roseneck.Die Volksbank mit rund 120 Filialen würde das breite Geschäft betreiben.Beide Banken würden also mit eigenem Marktauftritt erhalten bleiben und beispielsweise über eine Holding verbunden werden.

Auch über die bei Fusionen in der Regel brisanten Personalfragen hat sich Kauermann bereits Gedanken gemacht.So schlägt der ehemalige Chef der hessischen Helaba vor, die neue Bank könne von einer Doppelspitze aus Kauermann und Ulrich Misgeld, dem Vorstandssprecher der Volksbank, geführt werden.Misgeld stand einer Fusion aber bisher eher ablehnend gegenüber.Kauermann war zum Jahresanfang zur GKB gekommen und hatte einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben.Es gebe bei einem Zusammenschluß genügend Arbeit für zwei Vorstands-Chefs, sagte Kauermann.

Gleichzeitig teilte Kauermann mit, daß die GKB erneut die Sicherungseinrichtungen des BVR in Anspruch nehmen muß.GKB und Köpenicker hatten für 1997 und für 1996 bereits 452 Mill.DM erhalten, vor allem vom BVR, da der Einlagentopf des Regionalverbandes Berlin-Hannover praktisch aufgebraucht ist.Der Regionalverband mit Sitz in Hannover mußte nach den Angaben Kauermanns bereits die Umlage für alle Mitgliedsinstitute auf den Höchstsatz von zwei Promille erhöhen.Zu den bereits vergebenen Hilfen kommen nach Angaben Kauermanns jetzt noch rund 90 Mill.DM für das Beteiligungsgeschäft der GKB, unter anderem aus dem Fonds-Geschäft und aus eigenen Bauaktivitäten.

Für 1998 habe der BVR im Wege eines "Vorratsbeschlusses" weitere 150 Mill.DM für latente Risiken genehmigt.Dieser Betrag werde laut Kauermann aber voraussichtlich nicht in voller Höhe in Anspruch genommen.Die Hilfe des Verbandes beläuft sich damit auf insgesamt bis zu 700 Mill.DM.Die gesamte Summe der Wertberichtigungen für die Jahre 1994 bis 1998 bei GKB und Köpenicker zusammen beträgt laut Kauermann rund 1,1 Mrd.DM.Davon konnten die Institute lediglich 400 Mill.DM aus eigener Kraft tragen.

Die Sanierung der Bank sei bis Ende 1998 vollständig abgeschlossen, versicherte Kauermann: "Wir sind mager, aber gesund." Der Anteil von Bauträger-Zwischenfinanzierungen werde drastisch abgebaut, das Geschäft mit Endfinanzierungen dagegen forciert.Die GKB würde Anfang 1999 "operativ wieder funktionieren".Für 1997 soll die Bruttodividende auf fünf Prozent gesenkt werden.Bei einem Ausfall der Dividende bestehe die Gefahr, daß Genossenschaftsanteile in großem Maße zurückgegeben werden, sagte Kauermann.Eine Erosion der Kapitalbasis sei aber für das Institut gefährlich.

Die Sanierung mache aber nur Sinn, wenn in Berlin langfristig tragfähige Strukturen geschaffen werden."Wir kämen auch allein zurecht", sagte Kauermann zwar.Daß die Volksbank auf sein Angebot eingehen werde, daran besteht nach Ansicht Kauermanns aber kein Zweifel: "Es macht keinen Sinn, das Projekt lange vor sich herzuschieben."

Die Grundkreditbank war zuletzt wegen des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes in Berlin in tiefe Schwierigkeiten geraten.Im vergangenen Jahr mußte daraufhin der langjährige GKB-Chef Jürgen Bostelmann seinen Hut nehmen.Die DG-Bank leistete Management-Hilfe.Voraussetzung der Sanierung war die Fusion mit der ebenfalls in Turbulenzen befindlichen Köpenicker Bank.Rückwirkend zm 1.Januar 1998 wurde der Zusammenschluß vollzogen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar