Wirtschaft : Neue Belastungen für deutsche Banken Starker Euro bremst Exporte nicht

HSH getroffen / SachsenLB schreibt Verluste/ Hypo Real Estate zweifelt Ausfuhrquote steigt im Januar um neun Prozent / Viele deutsche Firmen wollen US-Produktion ausbauen

Frankfurt am Main /Hamburg - Die internationale Finanzkrise sorgt bei den deutschen Banken weiter für hohe Abschreibungen. Vor allem die Landesbanken sind stark getroffen. Am Montag meldete die SachsenLB einen operativen Verlust von 642 Millionen Euro für das Jahr 2007. Der Jahresfehlbetrag werde durch den neuen Eigentümer, die Landesbank Baden-Württemberg LBBW ausgeglichen, teilte die Sachsen LB am Montag mit. Die LBBW hatte im August 2007 rund 250 Millionen Euro und in der vergangenen Woche noch einmal 391 Millionen Euro zugeschossen.

Die SachsenLB war nach riskanten Geschäften auf dem US-Hypothekenmarkt im Jahr 2007 in Schwierigkeiten geraten. Sie konnte nur durch einen eilig vereinbarten Verkauf an die LBBW gerettet werden.

Auch der HSH Nordbank macht die Finanzkrise zu schaffen. Die für Hamburg und Schleswig-Holstein zuständige Landesbank gab gestern Belastungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bekannt, gut die Hälfte davon sei am US-Immobilienmarkt angefallen. Trotzdem weist die Bank für das abgelaufene Jahr nach vorläufigen Zahlen einen Jahresüberschuss von 250 Millionen Euro aus. Das sind 46 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Vorstandschef Hans Berger in Hamburg mitteilte.

„Das sind Markt- und Bewertungsschwankungen, keine endgültigen Verluste“, sagte der Bankchef zu den hohen Abschreibungen. Die echten, realisierten Verluste betragen demnach bislang deutlich unter 200 Millionen Euro. „Die HSH Nordbank verfügt über ein funktionsfähiges Geschäftsmodell und ist auf Wachstum ausgerichtet“, sagte Berger.

Die Immobilienbank Hypo Real Estate muss indes ihre Ziele für das Geschäftsjahr womöglich niedriger hängen. „Wie alle Finanzinstitute weltweit haben wir es mit extrem schwierigen Märkten zu tun“, schrieb Vorstandschef Georg Funke am Montag in einem internen Brief an die Mitarbeiter des Münchner Konzerns. „Das Erreichen unserer angestrebten Ziele bleibt möglich, ist aber sicherlich schwieriger geworden und hängt zu einem großen Maße von der künftigen Entwicklung der Märkte ab.“ Die zuletzt schon arg gebeutelten Aktien der Hypo Real Estate brachen noch einmal um 13,6 Prozent ein. Das Unternehmen hatte Mitte Januar die Investoren an der Börse völlig überraschend mit Abschreibungen von 390 Millionen Euro auf ein US-Wertpapierportfolio geschockt. rtr/dpa

Wiesbaden/Berlin/Düsseldorf - Der starke Euro hat dem deutschen Export bisher nichts anhaben können. Im Januar wurden von Deutschland aus Waren im Wert von 84,4 Milliarden Euro ausgeführt, das waren neun Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Besonders stark stiegen die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU, nämlich um 11,5 Prozent auf 30 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als ein Drittel der gesamten Exporte. Die Ausfuhren in die Eurozone, bei denen sich der starke Euro nicht auswirkt, stiegen dagegen nur um 6,2 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels bezeichnete die Zahlen am Montag als erfreulich. Allerdings bleibe abzuwarten, ob sich angesichts der Finanzkrise und des schwächelnden US-Dollars der positive Trend fortsetze.

Im Januar war ein Euro etwa 1,46 Dollar wert, deutlich mehr als im Vorjahresmonat, als es noch etwa 1,30 Dollar waren. Seither ist der Euro nochmals stärker geworden und steht nun bei etwa 1,53 Dollar. Bei einem starken Euro ist es für Abnehmer in den USA teurer, Waren aus Deutschland zu kaufen.

Angesichts des im Verhältnis zum Euro schwachen Dollars peilen immer mehr deutsche Unternehmen Zukäufe in den USA an. Eine große Mehrheit von 82 Prozent der Unternehmen sieht einen hohen oder sogar sehr hohen Einfluss des Wechselkurses auf ihr aktuelles Geschäft in den Vereinigten Staaten. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage der Unternehmensberatung Droege vom vergangenen Wochenende. Weil die meisten Firmen den Dollar-Verfall als längerfristiges Phänomen einschätzen, wollen sie schnell in den Bereichen Einkauf, Vertrieb, Finanzen und Produktion gegensteuern.

An der Onlinebefragung, deren Ergebnisse dem „Handelsblatt“ exklusiv vorliegen, nahmen 60 deutsche Unternehmen in den USA aus verschiedenen Branchen teil. Die meisten Firmen kommen auf einen US-Umsatz bis 50 Millionen Dollar, ein Sechstel auf mehr als 100 Millionen Dollar.

„Sehr viele deutsche Unternehmen erkennen, dass sie sich jetzt sehr schnell bewegen müssen, um den Währungsschwierigkeiten zu begegnen“, sagt Lars Knorn, Direktor im New Yorker Büro von Droege. Ein „Aussitzen“ der Krise scheidet gleich aus zwei Gründen aus: Erstens rechnen sechs von zehn Entscheidern damit, dass die Dollarschwäche länger als ein Jahr dauern wird. Zweitens beurteilen die meisten Manager den US-Markt langfristig als einen überaus attraktiven Absatz- und Produktionsmarkt. Die Krise entpuppt sich deshalb als Chance, billig zu- oder einzukaufen.

Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen will die Strategie in weniger als drei Monaten an die veränderten Wechselkursverhältnisse anpassen. „Es werden zurzeit Überstunden in den US-Zentralen deutscher Unternehmen gemacht. Die Zeit drängt. Die Preise europäischer Produkte steigen täglich“, bestätigt Knorn. 56 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihre Produktion in den USA massiv auszubauen. Ein Drittel beabsichtigt dies sogar innerhalb der nächsten sechs Monate. Nur so können die Unternehmen die immensen Nachteile eines starken Euro kompensieren.

Gestern kündigte BMW an, sein Werk in den USA für eine halbe Milliarde Euro zu erweitern. In Spartanburg im US-Staat South Carolina werden künftig auch ein neues Hybridauto sowie Dieselfahrzeuge produziert. VW will neben der Errichtung eines neuen Montagewerks in Nordamerika auch Motoren und Getriebe künftig im Dollarraum produzieren. Die Opel-Mutter General Motors prüft derzeit, das Mittelklassemodell Astra auch in den USA herzustellen.

Nach Berechnungen der West LB reduzieren sich bei einer Euroaufwertung um zehn Prozent – so viel legte der Euro allein seit dem vergangenen Herbst zu – die Erträge vor Steuern und Zinsen bei den 30 Dax-Konzernen um sechs Prozent. Die Schweizer Großbank Credit Suisse kam unlängst zu ähnlichen Ergebnissen. Sie errechnete für einzelne Branchen wie Automobil noch deutlich stärkere Einbußen. AFP/som (HB)

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