Wirtschaft : Neue Mega-Fusion auf dem Telefon-Markt

NEW YORK (pf/dri/HB).Die Telekom-Branche kommt nicht zur Ruhe: Einen Tag nach der Ankündigung einer globalen Allianz zwischen AT & T und British Telecom sorgt eine Mega-Fusion in den Vereinigten Staaten für neuen Wirbel: Nach Meldungen amerikanischer Tageszeitungen vom Montag wollen sich die Telephongesellschaften Bell Atlantic Corp (New York) und GTE Corp, Stamford (Connecticut) im Zuge eines Aktientauschs im Wert von 55 Mrd.Dollar zusammenschließen.Es entstünde einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt mit 53 Mrd.Dollar Umsatz und 62 Mill.Anschlüssen.

Die Gespräche befänden sich in der Endphase, berichten die Zeitungen The Wall Street Journal und USA Today.Bell Atlantic könne aus der Fusion den Vorteil ziehen, in den lukrativen Ferngesprächsmarkt einzudringen.

Bell Atlantic bietet lokale Anschlüsse, drahtlose Dienste und Internetzugang in den Bundesstaaten zwischen Maine und Virginia an.GTE ist mit lokalen Telephondienstleistungen in 28 US-Staaten und einem landweiten Ferngesprächsnetz, drahtlosen Diensten und Internetzugang im Markt.Für 1997 wiesen Bell Atlantic 30 Mrd.und GTE 23 Mrd.Dollar Umsatz aus.Bell Atlantic und GTE hätten nach dem Zusammenschluß insgesamt rund ein Drittel aller Ortsanschlüsse in 40 US-Staaten.Die beiden Unternehmen würden sich ergänzen: GTE ist hauptsächlich in den schnell wachsenden Vorstadtmärkten aktiv, während Bell über eine starke Stellung in den wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Zentren wie New York, Boston und Washington verfügt.

Zum geplanten Joint-venture von AT&T und British Telecom (BT) erklärte BT-Geschäftsführer Peter Bonfield am Montag, das Joint-venture werde die weltweite Telekommunikationsindustrie verändern.Der Präsident von AT&T, John Zeglis, sagte, das neue Unternehmen werde die Telekom-Bedürfnisse von internationalen Konzernen auf "einzigartige und kraftvolle Art" erfüllen.Schätzungen zufolge soll das Gemeinschaftsprojekt jährlich zehn Mrd.Dollar einnehmen und im ersten Jahr einen Profit von einer Mrd.Dollar machen.

Analysten erwarten, daß das Joint-venture auch Druck auf die Aktie der Deutschen Telekom ausüben werde, da das neue Unternehmen in direkter Konkurrenz zu dem Gemeinschaftsunternehmen Global One von Deutscher Telekom, France Telecom und der US-Gesellschaft Sprint trete.Stefan Mehler, Analyst der WestLB sagte, BT und AT&T würden profitable Unternehmen zusammenschnüren, während Global One erst im Jahr 2002 Gewinne erzielen werde.Auch die Umsatzziele gingen mit zehn Mrd.Dollar weit über die von Global One hinaus.

Global-One-Chef Gary Forsee zeigte in einem Gespräch mit dem Handelsblatt allerdings unbeeindruckt vom geplanten Joint-venture: "Damit bestätigt sich, daß die Strategie von Deutscher Telekom, France Telecom und Sprint die richtige ist", sagte er.Die Ausrichtung des neuen Joint Ventures von AT&T und BT auf das Kundensegment multinationale Konzerne sei eine Kopie der Aktivitäten von Global One.Dabei habe Global One einen Erfahrungsvorsprung von zweieinhalb Jahren.Zudem bezweifle er, daß die Konkurrenten vom ersten Tag an Gewinne machen können: Auch AT&T und BT müßten ihre Netze erst aneinander anpassen.

Die Stärke von Global One sehe er darin, daß sie die einzige weltumspannende Telekom-Allianz ist, die tatsächlich als Unternehmen geführt werde.Bis Ende 1999 will Forsee die Modernisierung unter dem Schlagwort "Next Generation Network (NGEN)" abschließen.Global One führt laut Forsee zudem Gespräche mit mehreren asiatischen Telekom-Gesellschaften über eine Kooperation.Die Zusammenarbeit solle auf dem Gebiet Marketing/Vertrieb stattfinden, um den asiatischen Markt genauso intensiv wie Europa und die USA abdecken zu können.Die Börsen schienen Forsee Recht zu geben: Am Montag ging die T-Aktie fast unverändert aus dem Rennen.

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