Wirtschaft : Neue Runde im Kirch-Monopoly

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Von Henrik Mortsiefer

Gehen Sie zurück auf Los! Gehen Sie sofort dorthin! Ziehen Sie nicht bei KirchMedia ein! In München-Unterföhring wird wieder Monopoly gespielt: Der Verkauf von ProSiebenSat1 und Kirchs Filmbibliothek an den US-Investor Haim Saban ist geplatzt. Insolvenzverwalter, Gläubigerbanken, Aktionäre, Medienaufsicht und Mitarbeiter fangen wieder von vorn an. Die Banken nennen es PlanB. Man könnte es auch Wahnsinn nennen.

Als Saban im März die Verträge unterschrieb und vollmundige Zusagen machte, glaubten fast alle an die bayerische Hollywood-Show. Stattdessen muss sich Deutschlands zweitgrößter Fernsehkonzern nun mit der zweitbesten Alternative zufrieden geben. Eine ungewollt deutsche Lösung. Die Fernsehzuschauer werden davon wenig merken. Und damit das so bleibt, nehmen alle erstmal Vernunft an und retten, was zu retten ist. Kirch-Media und die Gläubiger geben ProSieben das dringend benötigte frische Kapital. Die Banken halten dann solange still, bis ein neuer Investor gefunden ist. Aber das kann lange dauern. Zwei bis drei Jahre, heißt es. PlanB ist also nichts anderes als eine Mogelpackung. Er stabilisiert den Fernsehkonzern kurzfristig. Langfristig aber gibt er ihm keine Perspektive. Denn die Banken wollen eher früher als später ihr Geld wiederhaben – also aussteigen. Und der Insolvenzverwalter und die heutigen Geschäftsführer werden das Mediengeschäft nicht auf Dauer professionell machen können.

Ob der Dollar-Jongleur Saban, dem am Ende offenbar doch das Geld ausging, der bessere Fernsehmanager gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Aber wer dann? Der Bauer-Verlag? Es wird wieder spekuliert. Das Kirch-Monopoly geht in eine neue Runde.

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