Neue Umfrage : Junge sparen mehr als Alte

Jugendliche legen viel mehr Geld auf die hohe Kante als Erwachsene, hat die Deutsche Bank herausgefunden. Das Geld landet auf dem Sparbuch.

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Erst sparen, dann reisen: Größere Ausgaben müssen warten, bis genug Erspartes auf dem Konto ist.
Erst sparen, dann reisen: Größere Ausgaben müssen warten, bis genug Erspartes auf dem Konto ist.Foto: maxoidos Fotolia

Jugendliche sind besser als ihr Ruf. Sie sparen fleißig, viele sorgen sogar schon in jungen Jahren für ihr Alter vor. Das sagt zumindest die Deutsche Bank und beruft sich dabei auf eine neue Umfrage. Deutschlands größtes Geldhaus hat in einer Online-Umfrage 1000 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren nach ihrem Sparverhalten befragt. Die am Freitag vorgestellten Ergebnisse der nach Angaben der Bank repräsentativen Umfrage wirken verblüffend, zumindest auf den ersten Blick. Danach sind die Jugendlichen – Schüler, Auszubildende, Studenten und Berufstätige – nämlich viel sparsamer als Erwachsene. Sie legen 28 Prozent ihres verfügbaren Einkommens und damit drei Mal so viel auf die hohe Kante wie es private Haushalte sonst üblicherweise tun.

Junge Männer haben im Schnitt 485 Euro im Monat zur Verfügung, junge Frauen 449 Euro. Die Einnahmen stammen aus Taschengeld, Nebenjobs, Ausbildung und Berufstätigkeit. Statt das Geld für Kleidung, Partys oder Kneipenzüge auf den Kopf zu hauen, bringen viele Jugendliche ihr Geld zur Bank und sparen. 65 Prozent haben ein klassisches Sparbuch, eine Sparcard oder zahlen in einen Sparplan ein. Fast jeder Vierte besitzt einen Bausparvertrag, 13 Prozent eine Riester-Rente. An Aktien und Fonds trauen sich dagegen nur wenige heran.

Während die Bank die Sparsamkeit der jungen Leute lobt, sieht Ulrich Reinhardt, Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen, die Umfrageergebnisse deutlich kritischer. „Die junge Generation hat einfach viel zu viel Geld“, sagte der Zukunftsforscher dem Tagesspiegel. Wer noch zu Hause wohnt und von den Eltern versorgt wird, könne leichter sparen als jemand, der Miete, Essen und Versicherungen zahlen muss. „Junge Leute ziehen immer später von zu Hause aus“, gibt Reinhardt zu bedenken. Die finanziellen Spielräume, die sie dadurch gewinnen, nutzen sie für den Konsum. „Die Jugendlichen sparen für ihren Urlaub und das neue iPhone“, meint der Forscher. Das deckt sich auch mit der Umfrage. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen legt das Geld nämlich zur Seite, um es später in einen Führerschein, ein Auto, Reisen oder in Elektronik zu investieren. Nur die Studenten sind anders. Sie sorgen stärker für das Alter vor als früher. Jeder vierte legt schon heute Geld für die Altersvorsorge zurück, vor einem Jahr waren es nur 15 Prozent. Von einer neuen Sparsamkeit der Jungen will Stiftungsleiter Reinhardt nichts wissen. „Jugendliche haben heute mehr Geld als früher“, sagt er. Oft seien noch Großeltern da, die ihnen etwas zustecken.

Das trifft auch auf die Jüngeren zu. Glaubt man der am Dienstag vorgestellten jüngsten Kids-Verbraucheranalyse aus dem Ehapa-Verlag, verfügen Kinder zwischen sechs und 13 Jahren heute über knapp fünf Milliarden Euro im Jahr. Jedes Jahr kommen rund 1,9 Milliarden Euro hinzu. 27 Euro Taschengeld im Monat und Geldgeschenke zum Geburtstag, zu Weihnachten oder Ostern von durchschnittlich 170 Euro im Jahr fließen meist in Süßigkeiten, Zeitschriften, Essen und Markenartikel.

Während die Kids ihr Geld gern sofort ausgeben, sind die Älteren disziplinierter. Das schützt sie aber nicht vor bösen Überraschungen in Finanzdingen, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das droht, wenn sie von zu Hause ausziehen und Geld für Möbel oder andere Anschaffungen brauchen. Statt ihr Erspartes anzutasten, würden sie häufig Kredite aufnehmen, kritisiert der Finanzexperte. „Null Euro auf dem Konto, aber zwei Sparverträge an der Backe“, warnt der Verbraucherschützer vor drohenden Schieflagen. Hinzu kommt: Angesichts der niedrigen Zinsen lohnt sich das Sparen derzeit kaum. „Auf das Ersparte bekommt man ein bis zwei Prozent Zinsen“, gibt Nauhauser zu bedenken, „der Kredit kostet sieben Prozent.“ Auch staatlich geförderte Produkte wie Riester-Renten und Bausparverträge sieht der Verbraucherschützer kritisch. Junge Leute sollten sich nicht zu früh finanziell binden, meint er. Wenn die berufliche Zukunft unsicher ist, man vielleicht irgendwann eine Familie gründen will, ist es schwer, jeden Monat in eine Rentenversicherung oder einen Bausparvertrag einzuzahlen. „Das fällt den Jungen irgendwann auf die Füße“, warnt der Verbraucherschützer.

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