Wirtschaft : Neuer Infineon-Chef legt sich mit der IG Metall an

Kley: „Unanständiges Verhalten“ nach Schumacher-Rauswurf

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München (cbu/jojo/HB). Der kommissarische InfineonChef Max Dietrich Kley geht in die Offensive. Nach dem Rauswurf des bisherigen Chefs Ulrich Schumacher griff er gestern im Handelsblatt-Gespräch die Gewerkschaft IG Metall wegen deren Verhaltens bei der Ablösung von Konzernchef Ulrich Schumacher an. „Die teils unrichtigen, teils richtigen, teils halbwahren Äußerungen einzelner Gewerkschaftsmitglieder in der Öffentlichkeit verstoßen gegen die Verschwiegenheitspflicht und sind deshalb rechtswidrig und auch menschlich unanständig“, teilte Kley mit. Damit spielte er an auf die Darstellung des Chefwechsels, wie er von Aufsichtsrat-Mitgliedern kolportiert worden war.

Weder die Gewerkschaft noch Siemens – der Konzern hält 18 Prozent an Infineon – hätten Einfluss genommen, sagte Kley. „Alle Mitglieder des Aufsichtsrats haben sich ihre Meinung unabhängig gebildet. Siemens hat hier keinen Einfluss genommen. Die IG Metall hat entgegen ihrer öffentlichen Verlautbarungen keinerlei Rolle gespielt", erklärte Kley.

Nach der Ablösung Schumachers am Donnerstag letzter Woche hatte Kley als Aufsichtsratschef den Chefposten übernommen. Gestern äußerte er sich erstmals, nachdem bislang die IG Metall die Schlagzeilen dominiert hatte. Die Gewerkschaft hatte Genugtuung über den Fall Schumachers gezeigt.

Kley bezeichnete es als seine vordringliche Aufgabe, „Ruhe und Zuversicht im Unternehmen zu schaffen, die Motivation der Mitarbeiter zu fördern und die Ergebnisorientierung zu verstärken“. An den Aussichten für das Unternehmen habe sich nichts geändert: Infineon werde in diesem Quartal einen Gewinn erzielen. Auch an der Strategie Schumachers werde nicht gerüttelt. Der Konzern sei „richtig für die Zukunft positioniert“.

Kley, Ex-Finanzvorstand bei BASF, betonte, dass er schnellstens einen Nachfolger für Schumacher präsentieren werde. Dieser Prozess werde „so kurz wie möglich, jedoch so lange wie nötig dauern“. Er habe bereits Kandidaten im Blick, könne aber noch keine Details sagen.

Schumacher-Vertraute müssen zittern

Gleichzeitig hat sich der Interims-Chef von Vertrauten Schumachers getrennt. Kley entließ den einflussreichen Leiter der Abteilung „Zentralfunktionen“, Matthias Poth, sowie die Chefin der strategischen Personalentwicklung, Annika Farin. Zudem muss Schumachers Kommunikationschef Christoph Sieder gehen. Der Nachfolger komme aus dem Unternehmen, hieß es in der Branche. Darüber hinaus seien auch Vorstände in Gefahr. Poth war unter anderem für Marketing, Kommunikation und Investor Relations zuständig. Farin wurde offenbar für die umstrittene Personalpolitik Infineons verantwortlich gemacht. Schumacher hatte geplant, sich jährlich von den schwächsten Mitarbeitern zu trennen. Intern war kritisiert worden, dass Schumacher einen engen Führungszirkel um sich gesammelt hatte und sich vom Rest des Unternehmens „abgekoppelt“ habe.

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