Neuer Job : Und was kommt jetzt?

Wer im neuen Unternehmen gut ankommen will, muss nicht nur neue Aufgaben lösen, sondern auch mit den neuen Kollegen klar kommen. Was hilft.

Elena Zelle
Nicht einfach nur rumsitzen. Wer Leerlauf hat, sollte sich selbst neue Aufgaben suchen.
Nicht einfach nur rumsitzen. Wer Leerlauf hat, sollte sich selbst neue Aufgaben suchen.Foto: Westend61/dpa-tmn

Die Mail, die einmal wieder an einem vorbei gegangen ist. Das Feierabendbier, bei dem man wieder nicht dabei ist. Oder die Mittagspause, die man, wieder einmal, alleine verbringt: Im neuen Job ist es oft nicht leicht. Denn neben den neuen Anforderungen oder ungewohnten Arbeitsweisen können es auch die Kollegen sein, die den Einstieg erschweren. Wie schafft man es, im neuen Job gut anzukommen? Und was kann man tun, wenn es bei der Integration ins Team hakt?

Wichtig ist: Es liegt nicht nur an einem selbst. Zum guten Start können auch Vorgesetzte einen Beitrag leisten – indem sie zum Beispiel eine Vorstellungsrunde und die Einarbeitung organisieren. Aber Neue müssen auch selbst von Anfang an etwas dafür tun, aufgenommen zu werden. „Nicht warten und sich beobachtend zurücknehmen“, rät Karriere-Coach Bernd Slaghuis aus Köln. „Sondern sich von Anfang an aktiv einbringen und zum Beispiel nach Aufgaben fragen, die man übernehmen kann.“

Im Intranet stöbern

Auch Beraterin Anne Forster aus Zürich rät zur Eigeninitiative. Ein Tipp zum Beispiel: Das Intranet des Unternehmens lesen – so findet man heraus, was im Krankheitsfall zu tun ist oder wie es mit den Urlaubsanträgen läuft. Außerdem sollte man sich das Organigramm der Firma anschauen. Das hilft zum Beispiel beim Lernen der Namen. Und wer die Namen von Kollegen und Vorgesetzten weiß, zeigt Wertschätzung ihnen gegenüber.

Außerdem sollte man in der Einarbeitungsphase alle wichtigen Informationen notieren, rät Forster. „Man kann sich nicht alles merken und Nachfragen zu Details oder einzelnen Arbeitsschritten kommen bei Kollegen besser an als „Kannst Du es nochmal erklären? Ich habe es vergessen.“ Vieles könne man sich auch abschauen: Zum Beispiel wie die Kollegen sich am Telefon melden oder wie sie mit Kunden umgehen.

Es geht aber nicht nur darum, Fragen zur Arbeit zu stellen. Coach und Psychotherapeutin Monika Stützle-Hebel rät auch, beim Mittagessen oder Feierabendbier zu fragen, ob man sich anschließen darf. „Man kann natürlich auch eine Abfuhr kriegen, aber das sollte man riskieren, damit man reinkommt.“

Ob das Reinkommen schwer oder leicht ist, liegt auch an der Vorgeschichte: Wurde die Stelle neu geschaffen, war das Team wahrscheinlich ziemlich ausgelastet. „Dann ruhen viele Hoffnungen auf dem Neuen, dass er Entlastung bringt“, erklärt Psychotherapeutin Stützle-Hebel. In diesem Fall sei es zum Beispiel wichtig, offen darüber zu sprechen, wie viel Zeit man für die Einarbeitung bekommt. Am Anfang sind Einsteiger schließlich noch nicht so produktiv. Dafür haben sie wahrscheinlich nicht das Problem, mit dem Vorgänger verglichen zu werden.

Wenn der Vorgänger nicht freiwillig gegangen ist

Das ist häufig dann der Fall, wenn ein beliebter Kollege von sich aus geht oder wenn er „gegangen wird“, wie Stützle-Hebel erklärt. Es könne sein, dass ein Team dann regelrecht um den Vorgänger trauert. Das sollten Neue keinesfalls persönlich nehmen oder als Abfuhr verstehen. Diese Phase könne durchaus ein paar Wochen dauern.

Ist der beliebte Kollege dagegen gefeuert worden, sympathisiert das Team oft verstärkt mit ihm. „Das muss man als Neuer auch ein Stück weit aushalten.“ Dabei hilft es, sich zu verdeutlichen, dass der Ärger gegenüber der Situation nicht einem selbst gilt, sondern eigentlich dem Vorgesetzten.

Manchmal hilft aber alles Bemühen nichts und man wird zum Mittagessen nicht gefragt und steht bei wichtigen Mails nicht in cc. Dahinter muss nicht immer böse Absicht stecken. Die Kollegen können auch selbst unsicher sein oder es schlicht und einfach aus Gewohnheit im Alltag vergessen, den Neuen einzubeziehen, wie Slaghuis sagt. Sein Rat: Wer das Gefühl hat, im Team nicht wirklich anzukommen, sollte das bei den Kollegen ansprechen – ohne gleich Vorwürfe zu machen.

Nicht gleich den Chef einschalten

Besser sei es, zu erklären, was man empfindet und wie es einem damit geht. Dabei sollte man allerdings auch sagen, was man sich stattdessen wünscht. Wenn das nicht fruchtet, müssen Neue wohl oder übel den Chef einschalten – gerade wenn es um Dinge geht, die sie daran hindern, ihre Arbeit vernünftig zu machen, wie Slaghuis betont. Zum Beispiel wenn Informationen vorenthalten werden oder wenn die für die täglichen Aufgaben notwendige Zusammenarbeit von Kollegen abgeblockt wird. „Man sollte aber so fair sein und den Kollegen ankündigen, dass man mit dem Chef spricht.“

Wenn es dann nötig ist, findet ein solches Gespräch am besten nicht zwischen Tür und Angel statt. Am besten verabredet man dafür mit dem Chef einen Termin, rät Stützle-Hebel. „Man sollte auch sagen, wie viel Zeit man gerne hätte, um das Thema zu besprechen.“ Wichtig sei auch, in diesem Gespräch nicht „Das Team schließt mich aus“ zu sagen, sondern die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle zu schildern – am besten mit Beispielen. dpa

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