Wirtschaft : Neuer Markt will an die Spitze der Finanzplätze

Seit einem Jahr Handel mit technologieorientierten Wachstumswerten / Zeiten werden verlängert FRANKFURT (MAIN) (rtr/ADN)).Die Deutsche Börse will die Handelszeiten für den Neuen Markt verlängern.Gleichzeitig sollen die Mindestabschlußgrößen herabgesetzt werden.Das gab die Deutsche Börse am Montag in Frankfurt bekannt.Dem Plan muß noch der Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse zustimmen.Einzelheiten sollen am Dienstag bekanntgegeben werden.Mit den längeren Handelszeiten wolle man der hohen Liquidität in den Werten Rechnung tragen, hieß es.Der große Erfolg der Wachstumsbörse zeige deren Bedeutung für den deutschen Kapitalmarkt.Die niedrigeren Mindestabschlußgrößen sollen Investments in Aktien des Neuen Marktes erleichtern.Die Werte des Marktsegments sollen in einem nächsten Schritt auf Xetra überführt werden.Mit Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozent für einzelne Werte hat sich der Neue Markt in zwölf Monaten zum attraktiven Handelsplatz für spekulationsfreudige Anleger entwickelt.Frankfurts Börsenmanager können am Dienstag, dem ersten Jahrestag ihres Marktsegments für technologie- orientierte Wachstumswerte, mit dem Drucktechnik-Spezialisten Technotrans bereits die 18.Aktie in den Handel schicken.Am 3.April werden sich die Papiere des Computerherstellers Transtec anschließen.Aus einer Kapitalerhöhung und Abgabe von Altaktien sollen rund 1,1 Mill.Aktien im Nennwert von 5 DM plaziert werden, teilte das Tübinger Unternehmen am Montag mit.Trotz des Andrangs ist der Neue Markt für die Börse nur ein Zwischenstopp auf dem Weg, der führende Finanzplatz in der EU zu werden."Wir werden den Neuen Markt gezielt weiterentwickeln in Richtung Europa.Das Ziel heißt EURO.NM", erklärte die Börse.Zusammen mit dem Nouveau Marché in Paris will sie sich als erste Adresse für junge und innovative Unternehmen aus ganz Europa etablieren, die zur Finanzierung ihres Wachstum Geld vom Kapitalmarkt abzapfen wollen.Der Plan der Frankfurter Börsenmanager ist anspruchsvoll.Mit den Computerbörsen Easdaq in Brüssel und vor allem der amerikanischen Nasdaq sehen sie sich starker Konkurrenz ausgesetzt.Bereits für sich verbuchen kann der Neue Markt dagegen, daß er den hier notierten Firmen in nur einem Jahr über 1,5 Mrd.DM Kapital bereitgestellt und seine Investoren bei Werten wie Mobilcom, SCM, EM.TV gemessen an Ausgabepreis und erstem Börsenkurs den Einsatz um ein Vielfaches zurückgezahlt hat.Der Versuch, den Neuen Markt europaweit zu etablieren, ist Teil der Strategie der Deutschen Börse, sich mit Kooperationen auf die EWU vorzubereiten.Zusammen mit den Börsen in Paris und Zürich präsentierte Frankfurt vor einem Monat mit "Stoxx" eine Serie von Aktienindizes, die in Konkurrenz zu Londons "Eurotop" und anderen Index-Angeboten einen Maßstab für den künftigen europäischen Aktienhandel setzen wollen.Zuvor hatten die drei Börsenplätze bereits ihre "Euro-Allianz" geschmiedet, die London bei Optionen und Terminkontrakten Paroli bieten will.Erste Erfolge sind da: Nachdem die Deutsche Terminbörse im Handel mit dem Terminkontrakt auf den Bund-Future jahrelang Londons Liffe hinterherlief, liegt sie seit Jahresbeginn vorn und konnte dabei im Februar mit 61,2 Prozent den höchsten Marktanteil ihrer Geschichte verbuchen.Ungemach droht der Börse dagegen im eigenen Hinterland.Am Donnerstag dürfte sich auf einem Gipfeltreffen in Frankfurt der Streit fortsetzen, zu welchen Konditionen die deutschen Regionalbörsen das neue, in Frankfurt mit hohem Aufwand entwickelte Computer-Handelssystem Xetra einsetzen dürfen.Das Recht dazu als solches hat der Gesetzgeber zum Ärger der Frankfurter Börsen-Manager gerade im Dritten Finanzmarktförderungsgesetz festgeschrieben.Trotz Neuem-Markt-Erfolg und Europa-Strategie denken die Regionalbörsen gar nicht daran, Frankfurt kampflos das Feld zu überlassen.

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