Wirtschaft : Neuer Puma-Chef muss schon gehen

Franz Koch räumt seinen Posten bei dem fränkischen Sportkonzern mitten in einer Phase des Umbaus.

Joachim Hofer (HB)
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München - Es war eine Sensation, als Jochen Zeitz 1993 zum Vorstandsvorsitzenden von Puma berufen wurde: Der gebürtige Mannheimer war lediglich 30 Jahre alt – und damit deutlich jünger als alle anderen Chefs von börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Die Zeitungen überschlugen sich damals mit skeptischen Kommentaren. Vergangenes Jahr hat der fränkische Sportkonzern als Nachfolger von Zeitz erneut einen vergleichsweise jugendlichen Manager an die Spitze geholt – und wieder waren die Beobachter zurückhaltend. Diesmal allerdings sollten die Kritiker recht behalten. Dem ehemaligen Bundesliga-Hockeyspieler Franz Koch gelang es nicht, der Marke neuen Glanz zu verleihen: Der 33-Jährige muss seinen Schreibtisch bereits kommendes Frühjahr wieder räumen, teilte Puma am Mittwoch mit. Mehrheitseigentümer PPR hat das Vertrauen in den ehemaligen Strategiechef des Sportlabels verloren. Mehr als 100 interne und externe Kandidaten hatte Puma unter die Lupe genommen – und sich am Ende im Frühjahr 2011 für Koch entschieden. „Er kennt die Firma gut und garantiert einen nahtlosen Übergang“, sagte damals Aufsichtsratschef François-Henri Pinault. Der Franzose räumte anschließend seinen Platz in dem Kontrollgremium für Kochs Vorgänger Zeitz.

Ein junger, stürmischer Chef und ein erfahrener Aufseher, so stellte sich Pinault die Zukunft von Puma vor. Doch das Gespann hielt nicht lange, Ende November zog sich Zeitz zurück. Der Multimillionär will sich lieber um seine Farm in Kenia und um Nachhaltigkeitsthemen kümmern. Ohne den Übervater Zeitz aber wollte PPR auch Koch nicht mehr. Es sei jetzt Zeit für einen richtigen Neuanfang, hieß es am Mittwoch in der Konzernzentrale in Paris. Nun ist der Konzern wieder auf der Suche nach einem neuen Chef.

Koch stand schon in den vergangenen Monaten massiv unter Beschuss. Im Herbst hatte ihn Zeitz in einem Interview überraschend öffentlich an den Pranger gestellt. „Wir alle können mit Pumas Entwicklung in diesem Jahr nicht zufrieden sein“, sagte er. Und fügte mit Blick auf den seit Juli 2011 amtierenden neuen Vorstandschef hinzu: „Wir sind uns alle einig, dass Franz Koch jetzt handeln muss, um das Ergebnis zu verbessern.“ Branchenkenner sind sich einig, dass Koch mehr Zeit gebraucht hätte, um Puma auf die Erfolgsspur zu bringen. Am Ende scheiterte der Manager nicht an eigenen Fehlern, sondern am schweren Erbe seines Vorgängers. Joachim Hofer (HB)

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