Wirtschaft : Niedrig-Zinsen machen nicht alles besser

JOBST-HINRICH WISKOW

BERLIN .Man kann Oskar Lafontaine wirklich vieles vorwerfen - eines indes nicht: Er hat sich verdient gemacht um das Interesse für Zinsen.Mit seinen regelmäßigen Äußerungen darüber, was die Bundesbank oder die Europäische Zentralbank (EZB) mit den Leitzinsen tun sollten, hat der einstige Bundesfinanzminister vielerlei wirtschaftspolitische Diskussionen angestoßen.Diskont, Lombard, Repo-Satz? Dank Lafontaine erfreuten sie sich einer zuvor niemals geahnten Popularität.

Freilich ist umstritten, wie wichtig die Zinsen des Gremiums um Präsident Wim Duisenberg für die Volkswirtschaft wirklich sind.Der Leitzins in Euroland ist der Repo-Satz, zu dem die EZB den Banken und Sparkassen kurzfristig Geld verleiht.Laut Lehrbuch sorgt billigeres Geld für Investitionen.Und wenn Unternehmen mehr investieren, neue Fabriken bauen, Fahrzeuge anschaffen, Mitarbeiter anstellen, wächst die wirtschaftliche Aktivität: Der Wohlstand wird größer.Genau das wollen die Zentralbanker erreichen, wenn sie die Zinsen herabsetzen - erst recht in einer Konjunkturdelle, die viele Ökonomen heutzutage ausmachen.Auch Oskar Lafontaine argumentierte so.

Das wichtigste Gegenargument: Die Notenbank kann lediglich die kurzfristigen Zinsen steuern.Dabei hängt von den langfristigen Zinsen ab, ob Betriebe ihre Investitionen hochfahren.Auf diesen langfristigen Preis für einen Kredit haben die Banker weitaus geringeren Einfluß.Viele Ökonomen befürchten sogar, daß kurz- und langfristige Zinsen auseinanderdriften, wenn die Zentralbank allzu billig Kredit vergibt.

Warum? Weil niedrigere Zinsen die Preisstabilität gefährden - können.Auf diese Weise drohen je nach konjunkturellem Umfeld höhere langfristige Zinsen.Scheinbar paradoxe Folge einer Zinssenkung der EZB ist in diesem Fall ein höherer Preis für Kredite.Und weil Unternehmen sich Geld für Investitionen nicht bei der EZB für kurze Zeit leihen, sondern für eine längere Dauer, lastet sogar das Risiko für eine schwächere Konjunktur über Euroland.

Außerdem müssen Duisenberg & Co.den Euro-Kurs berücksichtigen.Der ist seit dem Start der Währung vor gut drei Monaten schon um rund zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar gefallen.Mit niedrigeren Zinsen dürfte der Euro noch stärker unter Druck geraten: Schließlich werden internationale Anleger dann einen kleineren Anteil ihres Ersparten in Euroland anlegen.Das Problem der Euro-Schwäche: Die Exporte der heimischen Industrie werden teurer, der Motor des Aufschwungs stottert.Auf diese Weise könnte die Konjunktur ernsthaft ins Wanken kommen.

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