Wirtschaft : Nobelpreis für US-Ökonomen

Empirische Forschung in der Makroökonomie

Thomas Sargent (68) ist Volkswirt an der New York University. Foto: dpa Foto: dpa
Thomas Sargent (68) ist Volkswirt an der New York University. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Der Wirtschafts-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die beiden US-Ökonomen Thomas Sargent und Christopher A. Sims. Beide werden sich den mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Kronen) dotierten Preis teilen.

Die Wissenschaftler werden für Forschungsmethoden ausgezeichnet, die die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftspolitik und volkswirtschaftlichen Rahmendaten wie Inflation, Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt untersuchen. Ihre Frage nach der Wirksamkeit staatlicher Eingriffe in das Wirtschaftsleben ist aktueller denn je.

Mit ihren Arbeiten hätten sie der modernen makroökonomischen Analyse den Weg bereitet, erklärte die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag. „Überall auf der Welt basieren die Prognosen von Finanzministerien und Nationalbanken auf den Methoden der beiden“, sagte Tore Ellingsen, schwedischer Nationalökonom und Mitglied im Nobelkomitee. Ein Patentrezept für die Lösung der aktuellen weltwirtschaftlichen Probleme sehen die Professoren in ihren Arbeiten aber nicht. Ihre Forschung könne krisengeschüttelten Ländern aber helfen, Antworten auf wirtschaftliche Stagnation und reduzierte Budgets zu finden, sagte Sims.

Christopher A. Sims, geboren 1942, unterrichtet an der Princeton-Universität in New Jersey. Er freue sich sehr, sagte er. Investieren wolle er das Preisgeld vorerst jedoch nicht. „Ich werde es in bar behalten und dabei über die Verwendung nachdenken“, sagte er mit Blick auf die Krise am Finanzmarkt. Sein Kollege Thomas Sargent, geboren 1943, lehrt aktuell an der New York University.

Sims und Sargent haben bisher unabhängig voneinander gearbeitet. Zwar seien sie zur selben Zeit an der Harvard- Universität und danach auch gemeinsam in Minnesota gewesen, sagte Tore Ellingsen. Aber: „Es ist schon fast ein bisschen mysteriös, wie wenig sie zusammen gearbeitet haben.“ Beide Wissenschaftler hätten unterschiedliche Akzente gesetzt. Sims habe sich eher auf direkte Effekte unerwarteter wirtschaftlicher Ereignisse konzentriert, während Sargent sich dafür interessiere, was sich strukturell ändert, wenn politische Voraussetzungen verändert würden, sagte Ellingsen.

Der Nobelpreis wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, durch den schwedischen König Carl XVI in Stockholm überreicht. Bis auf den Friedensnobelpreis werden dort auch die anderen Preise vergeben. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gilt als der umstrittenste. Das liegt vor allem daran, dass er der einzige ist, der nicht direkt auf das Testament Alfred Nobels zurückgeht. Er wurde stattdessen 1968 von der Schwedischen Reichsbank ins Leben gerufen und heißt offiziell „Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel“.

Immer wieder wird die überwältigende Dominanz US-amerikanischer Forscher unter den Ausgezeichneten kritisiert. Von insgesamt 69 Preisträgern haben 54 in den USA geforscht. Nur ein einziges Mal wurde ein Deutscher ausgezeichnet: Im Jahr 1994 erhielt der Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten die Auszeichnung. Außerdem gab es bisher nur eine einzige Frau, die den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt, die Ökonomin Elinor Ostrom im Jahr 2009.inh/dpa

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