Wirtschaft : Noch mehr Arbeitslose

Banken glauben nicht an Erfolg der Hartz-Reform

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Einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland um rund 100000 Personen befürchtet der Bundesverband deutscher Banken (BdB) für das kommende Jahr. Diese Prognose sei noch sehr vorsichtig, sagte Martin Hüfner, der Vorsitzende des BdBAusschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik und Chef-Volkswirt der Hypo-Vereinsbank bei der Vorlage der Konjunkturprognose am Mittwoch in Berlin. Das reale Wirtschaftswachstum in Deutschland werde 2003 im Durchschnitt nur ein Prozent erreichen.

Auch die Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission werde an dem Anstieg der Arbeitslosigkeit nichts ändern. Für eine nennenswert höhere Zahl von Arbeitsplätzen griffen diese Vorschläge zu kurz, sagte Hüfner. Vielmehr müssten das starre Tarifsystem flexibilisiert, die Fülle von gesetzlichen Vorschriften verringert und die Lohnzusatzkosten gesenkt werden. Der Bankenverband betrachtet vor allem die mittel- bis längerfristigen Wachstumsperspektiven mit Sorge. Diese Perspektiven würden durch die Wirtschaftspolitik der Regierung massiv beeinträchtigt. Die Politik offenbare ein „tiefes Misstrauen“ gegenüber Marktmechanismen und wirtschaftlicher Eigeninitiative: „Wir steuern auf ein Trendwachstum von Null zu“, mahnte Hüfner.

Weniger pessimistisch äußerte sich der Banker zur näheren Zukunft. So rechnet er im Winter nicht mit einer neuen Rezession. Auch die Sorge über eine Deflation sei übertrieben. Dagegen spreche das kräftige Geldmengenwachstum im Euroraum und eine Inflation, die mit 2,2 Prozent noch immer über der mittelfristigen Toleranzgrenze der Europäischen Zentralbank (zwei Prozent) liege. 2003 bestünden außerdem gute Chancen, dass der Anstieg der Verbraucherpreise zurückgehe. dr

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