Wirtschaft : Nokia lebt von der Substanz

Joachim Hofer (HB)

München - Mehr als zehn Millionen Euro Verlust schrieb Nokia vergangenes Quartal – pro Tag, versteht sich. Dass der Aktienkurs trotz der tief roten Zahlen am Donnerstag stieg, hat einen einfachen Grund: Im Vorquartal hatten die Finnen ein noch viel schlechteres Ergebnis erwirtschaftet. Es geht also aufwärts beim einst weltgrößten Handyhersteller, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus.

Alles in allem musste Nokia-Chef Stephen Elop einen Vierteljahresverlust von 969 Millionen Euro verkünden. Dabei brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Fünftel auf rund 7,2 Milliarden Euro ein. Das Quartal sei „schwierig“ gewesen, kommentierte Elop. Die Bargeldbestände fielen von 4,2 Milliarden Euro Ende Juni auf nur noch 3,6 Milliarden drei Monate später. Damit zehrt das Unternehmen von der Substanz und hat lediglich halb so viel Bares in der Kasse wie vor fünf Jahren.

Die miserablen Ergebnisse spiegeln den Misserfolg in den Mobilfunkläden wider. Immer weniger Menschen greifen zu den Telefonen der Skandinavier. So wurde Nokia zwischen April und Ende Juni nur noch knapp 83 Millionen Geräte los, gut ein Fünftel weniger als im selben Zeitraum 2011. Statt der Nokia-Handys kaufen sich die Menschen immer mehr Smartphones von Apple und Samsung. Die Südkoreaner haben Nokia im Frühjahr als Weltmarktführer abgelöst. Immerhin: Für das laufende vierte Quartal sieht es besser aus. Der operative Verlust werde vermutlich auf sechs Prozent vom Umsatz fallen, teilte Nokia mit. Zum Vergleich: im abgelaufenen Quartal waren es 7,4 Prozent. Nokias Hoffnungen ruhen nun auf den neuen Smartphones mit Microsofts Software Windows Phone 8. Die beiden ersten Modelle sollen im November in ausgewählten Ländern in die Läden kommen, kündigte Elop an.

Zudem läuft es bei der Netzwerk-Tochter Nokia Siemens Networks (NSN) inzwischen deutlich besser. Das bislang ausgesprochen verlustreiche Gemeinschaftsunternehmen der Finnen und des Siemens-Konzerns hat im dritten Quartal einen Betriebsgewinn von 182 Millionen Euro erzielt. Zudem stiegen die Erlöse um drei Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Damit zahlt sich der tiefgreifende Umbau von NSN aus.Joachim Hofer (HB)

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