Nordafrika : Revolution schreckt Reiseveranstalter ab

Touristen müssen wegen der Lage in Nordafrika umbuchen, weil die Anbieter die Ziele vorerst streichen. Viele Urlauber verreisen deshalb im eigenen Land.

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Rotes Meer ade.
Rotes Meer ade.Foto: dpa

Berlin - Die Unruhen in den beliebten Reiseländern Tunesien und Ägypten wirbeln die Touristikbranche durcheinander. Die Veranstalter der weltgrößten Branchenmesse ITB, die vom 9. bis 13. März in Berlin stattfindet, haben dafür kurzfristig das Thema auf die Tagesordnungen der Kongressveranstaltungen gesetzt, teilte die Messe Berlin am Dienstag mit. Dort soll besprochen werden, wer Gewinner und wer Verlierer der Entwicklung ist.

Kurzfristige Verlierer sind – abgesehen von Hotels und Gastronomen in den nordafrikanischen Ländern – offenbar Fluggesellschaften und Reiseveranstalter, die relativ stark in diesen Ländern engagiert sind. So teilte Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook mit, dass er mit Einbußen in Höhe von 20 Millionen Pfund (23,6 Millionen Euro) rechne. Europas Marktführer Tui Travel hatte den finanziellen Schaden bereits vergangene Woche auf rund 30 Millionen Pfund geschätzt. Auch die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM teilte mit, die angespannte Lage in Tunesien, Ägypten und auch in der Elfenbeinküste „belastet allmählich die Umsätze“.

Touristen weichen derweil auf andere Sonnenziele aus. Das Tourismusministerium der Regionalregierung der Kanaren berichtete, dass Reiseveranstalter für rund 300 000 zusätzliche Urlauber Betten auf dem spanischen Archipel gebucht haben, das im Atlantik vor Nordafrika liegt. Die Zahl beziehe sich allein auf die laufende Wintersaison, die zum Mai endet. Damit wären dann 80 bis 85 Prozent der Betten belegt, hieß es.

Tui sagte alle Reisen nach Ägypten und Tunesien bis Ende Februar ab. Allerdings hegt man bei Tui offenbar die Hoffnung, dass sich die Kosten wegen der Stornierungen und Umbuchungen am Ende doch nicht negativ auswirken: Eine Tui-Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, dass das Unternehmen in den letzten Tagen eine steigende Nachfrage nach Fernzielen registriert habe: Karibik, Mexiko, Malediven und die Vereinigten Arabischen Emirate würden besonders gut gebucht – also eher höherpreisige Ziele. Die Rewe Touristik, zu der auch die Anbieter ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg gehören, nannte die Kanaren, Türkei und Mallorca als die beliebtesten Ausweichziele.

Rewe wie Tui berichten übereinstimmend zudem von steigenden Buchungszahlen für Urlaub in Deutschland. Tui bezifferte das Umsatzplus in Inland auf 18 Prozent. Die Zahl stamme allerdings von Ende Januar.

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