Nürnberger Werk : Bei AEG droht neuer Arbeitskampf

Bei AEG in Nürnberg bahnt sich neben dem Streik der Fabrikarbeiter auch in der Logistiksparte ein Arbeitskampf an. Die IG Metall erklärte das Scheitern der Tarifverhandlungen und geht in die Urabstimmung.

Nürnberg - Unterdessen setzte die Belegschaft des Hausgerätewerks den unbefristeten Streik für einen Sozialtarifvertrag fort. Unterdessen kommt es auch zu Missklängen zwischen der Gewerkschaft und Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Am Mittwoch will nach Angaben der IG Metall der Linkspartei-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Oskar Lafontaine, die Streikenden besuchen.

Der schwedische Mutterkonzern Electrolux hatte mehrere Sparten wie Logistik, Vertrieb und Kundendienst im vergangenen Jahr in eigene GmbHs ausgegliedert. Für den Logistikbereich soll nun der Tarifvertrag für den Groß- und Außenhandel angewendet werden. Dies würde für die knapp 200 Mitarbeiter nach Darstellung der IG Metall enorme Einkommenseinbußen bedeuten. Bereits am Dienstag und Mittwoch soll die Urabstimmung über Kampfmaßnahmen stattfinden.

Dagegen sagte ein AEG-Sprecher, den Beschäftigten sei Bestandsschutz zugesichert worden. "Der Lohn bleibt der selbe." Man habe der IG Metall Vorschläge für Verhandlungen gemacht, aber keine Antwort erhalten.

Der bayerische DGB-Chef Fritz Schösser, der die Streikenden am Montag besuchte, warf Electrolux "Gier" vor. "Es geht nur noch darum, die Kassen zu füllen", sagte Schösser. Der Konzern will das Werk mit rund 1700 Beschäftigten Ende 2007 schließen und die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern nach Italien und Polen verlagern.

Schösser kritisierte das Vermittlungsangebot des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) als zu spät. "Ich hätte mir gewünscht, dass er sich schon vor Monaten eingeschaltet hätte, um den Schließungsbeschluss zu verhindern." Zunächst müsse jetzt Electrolux ein Angebot auf den Tisch legen. Dazu sei es notwendig, möglichst viel Druck auf den Konzern auszuüben.

Die Staatskanzlei erwiderte darauf, dass Stoiber von der IG Metall in Nürnberg eingeladen worden sei. "Vor allem die Streikleitung würde Sie gerne über die aktuelle Situation aus erster Hand informieren", schrieb die Gewerkschaft nach Angaben der Staatskanzlei in einem Brief. Ministerpräsident Stoiber habe auf diese Initiative der IG Metall zugesagt.

Streikleiter Wechsler sagte, er rechne vorläufig nicht mit einem Angebot des Unternehmens. "Der Streik steht", bekräftigte er. Bisher gebe es keinen einzigen Streikbrecher. Die Belegschaft blockiert das Werk rund um die Uhr. Auch in der Nacht harrten rund 50 Mitarbeiter bei klirrender Kälte aus. "Die Stimmung war super", sagte der stellvertretende AEG-Betriebsratsvorsitzende Roland Weiß. (tso/dpa)

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