Wirtschaft : Nun fehlt BMW nur noch die Formel 1 zum Glück

DANIEL WETZEL

Einstieg bei Williams soll Innovationsschub für den Pkw-Bereich auslösen / Wunderbremse von McLaren-Mercedes für die A-Klasse?VON DANIEL WETZEL BERLIN.Nach der spektakulären Übernahme von Rolls Royce beherrscht BMW zwar die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse - die Sportseiten aber dominiert die Konkurrenz aus Stuttgart: McLaren-Mercedes siegt überragend in der Formel-1 in Sao Paulo.Hatte BMW-Marketing-Chef Karl-Heinz Kalbfell nicht jüngst "Dynamik und Innovation" als "die zentralen BMW-Markenwerte" gepriesen? Nun gebührt dieses Prädikat zweifelos den Stuttgarter Autobauern, die in der Formel 1 zur Zeit jeden Gegner an die Wand fahren.Die schwerfälligen englischen Königskarossen der neuen BMW-Tochter Rolls-Royce strahlen dagegen vergleichsweise wenig "Dynamik und Innovation" aus. Solche Imagefragen haben einen harten wirtschaftlichen Kern.Die heiß diskutierte "Wunderbremse" von McLaren-Mercedes, die im Rennen von Sao Paulo verboten wurde, könnte Gerüchten zufolge schon bald im Pkw-Bereich Verwendung finden - und einen Käufersturm auf A-Klasse und Smarts auslösen.Schon jetzt führt Mercedes-Sportchef Norbert Haug den auf mehr als 700 000 Wagen gestiegenen Absatz zum Teil auf den Motorsport-Erfolg zurück.Die Investition in den Rennstall - Branchenkenner sprechen von 200 bis 500 Mill.DM - zahlt sich aus. Sportlichkeit und Innovation: Wohl keine Sportart repräsentiert die "zentralen Markenwerte" von BMW besser als die heutige Hightech-Formel 1: Während des Rennens verarbeiten Computer tausende von Fahrzeugdaten.Die Software-Spezialisten in der Box sind genauso wichtig geworden, wie der Pilot im Cockpit.Was in der Innovationsküche Formel 1 ausgetüftelt wird, läßt sich im lukrativen Pkw-Bereich vermarkten.Jüngster Technik-Spillover: Autos sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die dem Hersteller ständig drahtlos Daten über den aktuellen "Gesundheitszustand" des Fahrzeugs übermitteln.Der Fahrer könnte dann vom zentralen Rechner ständig über zu erwartende Defekte oder den nächsten Inspektionstermin informiert werden. Solche Zukunftsmusik regt auch die Phantasie der BMW-Designer an.Die Münchner Autobauer sind immerhin stolz darauf, in der Autotechnik weltweit führend zu sein.BMW hatte der Innovationsschmiede Formel 1 jedoch 1983 den Rücken gekehrt.Damals gewann Nelson Piquet mit Hilfe eines BMW-Motors die Weltmeisterschaft.Nun wollen die Münchner an die alten Erfolge anknüpfen: Die Rückkehr in die Formel 1 ist fest ins Auge gefaßt.Bis zum Jahre 2000 sollen die Boliden von Williams mit BMW-Motoren ausgerüstet werden."Wir werden alle Ausgaben für die Formel 1 aus dem Marketingetat bestreiten", erklärte jüngst BMW-Chef Bernd Pischetsrieder: "Sie ist Teil unserer Kommunikation." Das ist nur konsequent.Tatsächlich ist der direkte Werbe-Effekt der Formel 1 unschlagbar.Fast 12 Millionen Fernseh-Zuschauer waren am Sonntag Zeugen des Erfolges von McLaren-Mercedes.Eine ähnlich hohe Zuschauerzahl erreicht sonst nur die Wetten-Daß-Show.RTL hatte keine Mühe die drei Werbe-Inseln loszuschlagen: Rund 165 000 DM mußten Firmen für einen Werbespot von 30 Sekunden Dauer berappen - 60 000 DM mehr als noch im Vorjahr.Innerhalb von drei Jahren hat sich der Preis für eine Werbeminute während eines Formel-1-Rennens sogar fast vervierfacht.Die Werbeabteilungen zahlen jedoch gern, wenn sie ein "männeraffines Umfeld" erreichen können: Während Hausfrauen bereits am Nachmittag mit Soap-Operas und Gewinnspielen beworben werden können, ist die kaufkräftige Zielgruppe der 14 bis 49-jährigen Männer zumeist nur während weniger Abendstunden vor dem Fernseher erreichbar, erklärt Claudia Scheibel von der Vermarktungsagentur IP Deutschland die hohe Nachfrage nach den Werbeblöcken.Ihre Erfahrung: Typische Männerprodukte: Rasierwässer, Autos, Finanz- und Telekom-Dienstleistungen bis hin zum Hamburger sind während der Formel 1 am besten an den Mann zu bringen.

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