Wirtschaft : Nur die Lufthansa will mehr investieren

In den großen deutschen Unternehmen stagnieren die Ausgaben/Stimmung auf einen Tiefstand gefallen

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Die deutschen Großunternehmen werden auch im kommenden Jahr voraussichtlich ihre Investitionen kaum aufstocken. Die Mehrzahl der führenden deutschen Konzerne will ihre Ausgaben auf dem niedrigen Niveau des laufenden Jahres halten oder sogar leicht absenken. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter den Dax30-Unternehmen. Zurzeit laufen in den Konzernen die Gespräche über die Budgets für das kommende Jahr. Deshalb liegen in der Regel noch keine endgültigen Beschlüsse vor. Dennoch zeichnet sich eine recht klare Tendenz ab: Mehr Geld für Investitionen wird es im kommenden Jahr bei kaum einem Unternehmen geben. Lediglich Lufthansa kündigte an, etwas mehr Geld für Investitionen in die Hand nehmen zu wollen.

Die meisten Konzerne beschränken sich dagegen auf die notwendigsten Ausgaben. So werden BASF und Bayer ihre in diesem Jahr begonnene Politik fortsetzen, die Investitionen auf Höhe der Abschreibungen zu halten. In der Regel deutet ein Investitionsvolumen auf oder unter dem Niveau der Abschreibungen darauf hin, dass das Unternehmen nicht von einem expandierenden Geschäft ausgeht. Epcos, Spezialist für passive Bauelemente, will seine Ausgaben wegen der massiven Nachfrageschwäche sogar unter das Niveau der Abschreibungen senken.

Auch der Chiphersteller Infineon hat sein Budget von ursprünglich geplanten 1,5 Milliarden Euro auf rund eine Milliarde Euro gekappt, liegt damit aber in etwa auf dem Niveau des laufenden Jahres. Gleiches gilt für den Mischkonzern MAN, der auch 2003 unverändert niedrige Ausgaben plant. Dagegen will der Anlagen- und Gase-Spezialist Linde das recht hohe Investitionsniveau des laufenden Jahres beibehalten. Damit zeichnet sich ab, dass die Investitionsgüter-Industrie im kommenden Jahr weiter vergeblich auf Impulse aus dem Inland warten wird. Ganz ähnlich sieht es bei der Informationstechnologie aus. Ähnlich wie die Industrie will auch die Finanzbranche – ein wichtiger Kunde der IT-Unternehmen – angesichts der eigenen großen Ertragsprobleme auf der Ausgabenbremse bleiben.

Die Aussagen der Konzerne decken sich mit dem jüngsten Handelsblatt Business- Monitor. Danach ist das Investitionsklima auf einen Tiefstand gefallen. Nur acht Prozent der Firmenchefs wollen ihre Ausgaben in den kommenden Monaten erhöhen, im September waren es noch 22 Prozent. Dagegen hat sich der Anteil der Manager, die Budgetkürzungen planen, auf 43 Prozent fast verdoppelt.

Experten sehen in der neuen Sparsamkeit auch eine Gefahr. Denn unter Umständen werden die Kapazitäten so weit nach unten gefahren, dass die Firmen im Falle einer wieder anziehenden Nachfrage Probleme bekommen. Analysten haben deshalb etwa im Fall von Infineon bereits vor zu starken Einschnitten gewarnt. Ganz ähnlich argumentieren die Marktforscher von Gartner Consulting bezogen auf die Ausgaben für Informationstechnologie. In einer Studie beklagen sie, dass die deutschen Unternehmen ihre IT-Ausgaben zu stark reduzieren. „Die Folge ist, dass deutsche Firmen an Wettbewerbsvorteil verlieren.“ jkn/ch (HB)

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