Wirtschaft : Nur ein Ventil für die Aktionäre

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Von Daniel Rhee-Piening

Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres werden heute die Aktionäre der Bankgesellschaft zusammenkommen und über das Desaster des Konzerns debattieren. Verglichen mit der Situation vor einem Jahr hat sich die Lage des Unternehmens zwar dramatisch verschlechtert. Redete man damals über eine Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro, könnte die Bankgesellschaft heute ohne eine Risikoabschirmung durch den Staat in Höhe von mehr als 21 Milliarden Euro nicht mehr überleben.

Doch die Aktionäre spielen nur eine Nebenrolle. Die Verantwortlichen für die Pleite sitzen nicht mehr auf dem Podium. Ehemalige Vorstände müssen sich möglicherweise vor Gericht verantworten. Über Schadensrsatz und Pensionsansprüche entscheiden Gutachter und Juristen. Das Treffen der Aktionäre kann also nur noch als Ventil dienen. Denn die Mehrheitsverhältnisse sind klar. Die freien Aktionäre halten nur noch sechs Prozent des Kapitals, die Entscheidungen über die Zukunft der Bankgesellschaft werden im Senat, bestenfalls im Berliner Abgeordnetenhaus, gefällt. Diese Entscheidungen müssen plausibel sein und sie müssen von der EU in Brüssel genehmigt werden. Und so wäre es die Aufgabe der Hauptversammlung, sich nicht nur an den Fragen nach Schadenersatz aufzureiben, sondern den Blick nach vorne zu richten. Es gilt, den Plan des Vorstandsvorsitzenden zur Neuaufstellung des Konzerns zu prüfen. Und es muss die Frage gestellt werden, ob es sich um die letzte öffentliche Hauptversammlung des Konzerns Bankgesellschaft handelt. Denn verschiedene Szenarien sind durchaus denkbar. Die Zerschlagung des Konzerns zum Beispiel oder sein kompletter Verkauf. Auf diese Fragen werden in der Versammlung voraussichtlich kaum Antworten gegeben. Den freien Aktionären bleibt nur die Hoffnung auf ein großzügiges Abfindungsangebot eines neuen Eigentümers. Mehr als ein Trostpflaster wird auch das nicht sein.

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