Wirtschaft : Nur Schwarzbrot fehlt

Tewe Pannier

Ein Herr im grauen Anzug steht in der Schlange für die Taxen im „City Center“, einem der größten Einkaufscenter in Dubai. „Mann, das dauert aber!“, sagt er auf Deutsch mehr zu sich selbst. „Das können Sie aber laut sagen!“, ruft da einer von weiter hinten, und noch vier in der Schlange nicken eifrig. Noch nie nach dem Zweiten Weltkrieg sind so viele Deutsche ausgewandert, stand neulich im Tagesspiegel. Hier in Dubai merkt man das richtig. Auch am Pool der Wohnanlage tauchen immer mehr hellhäutige Menschen auf, die Konsalik oder „Spiegel“ lesen. Der „Hamburger Stammtisch“, ein monatlicher Stammtisch für Hamburger, hat seine Mitgliederzahl in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Und die Immobilien-Verkäufer drucken ihre Glanzbroschüren neben Russisch auch auf Deutsch.

Maren, 28, aus dem westfälischen Warendorf ist jetzt seit vier Monaten hier, kam als Praktikantin in eine PR-Agentur. Jetzt will sie bleiben und beantragt das „Residence“-Visum, also die dreijährige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Ohne Krankenkassenzuschuss, ohne Rentenversicherung, ohne Geld für Überstunden. Marens „Schreibtisch“ steht in der Ecke des Büros und ist etwa einen Quadratmeter groß. Sie teilt sich eine Wohnung mit drei anderen Deutschen. Aber sie ist glücklich, nicht nur weil sie an den freien Tagen mit dem Jeep an den Strand fährt.

Bei Uwe, 52, hat es ganz schön geklingelt auf dem Konto nach der Abmeldung bei seinem Einwohnermeldeamt in Köln. Sein Visum hält lebenslang, denn er hat eine Millionenvilla auf der berühmten künstlichen Palmen-Insel gekauft. „Das hat sich nach einem Jahr rentiert – ich zahle keine Steuern mehr für meine Gewinne aus allen Geschäften weltweit“, sagt er und strahlt, als könne er es immer noch nicht fassen.

Heimweh irgendjemand? „Alles viel zu aufregend“, sagt Maren. Nur das Schwarzbrot, das fehle ihr manchmal. Kleiner Tipp: Im Supermarkt vom „City Center“, gleich gegenüber von den indischen Gewürzen, hinter dem Regal mit dem dunkelorangen „Cheddar Cheese“ aus England und dem „Labneh“-Käse aus dem Libanon – da gibt es Roggenvollkorn, original aus Deutschland!

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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