Wirtschaft : Öffentliche Betriebe sichern Jobs

19 000 Stellen durch regionale Auftragsvergabe Berlin(dw).Berlins Wirtschaftssenator Elmar Pieroth will die Unabhängingkeit der vier ehemaligen Landesbetriebe BVG, Wasserbetriebe (BWB), Hafengesellschaft (Behala) und Berliner Stadtreinigung (BSR) mit einem "strategischen Dialog" stärken.Es gebe keinen Anlaß, über eine neue Organisationsform für die vier Anstalten öffentlichen Rechts nachzudenken, betonte Pieroth auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Vorstandsvorsitzenden am Mittwoch.Dennoch werde die Möglichkeit geprüft, die Gesellschaften in Form einer Aktiengesellschaft zusammenzufassen.Er wolle dem Ergebnis der Untersuchung jedoch nicht vorgreifen, so der Senator.Pieroth würdigte die Rolle der Anstalten als "wirtschaftliche Kerne Berlins." In den angekündigten Strategiegesprächen soll erörtert werden, in welchen neuen Geschäftsfeldern die Betriebe tätig werden können und wie die Zusammenarbeit ausgebaut werden kann. Laut Pieroth haben die vier Betriebe in diesem Jahr Aufträge für rund 3,2 Mrd.DM vergeben und damit fast 19 000 Arbeitsplätze bei Partnerunternehmen gesichert.Dies seien fast 1800 Stellen mehr als 1996.Pieroth betonte, daß rund 80 Prozent des Investitonsvolumens in der Region verbleibe.Die Unternehmen selbst verfügten zur Zeit über rund 35 000 Arbeitsplätze. Der Senator erklärte die besondere Bedeutung der Anstalten für Berliner Wirtschaftspolitik mit den Innovationen, die durch gezielte Auftragsvergabe ausgelöst werden können."Der innovative Aspekt ist für den Strukturwandel Berlins noch wichtiger als die Auftragsvergabe als solche." Drei der vier wirtschaftlichen Schwerpunkte Berlins profitierten von der "systematischen Auftragsvergabe" der Anstalten: die Medien- und Kommunikationstechnologien, die Umwelttechnologien sowie die Verkehrstechnik.Die Tatsache, daß trotz bundes- oder gar europaweiter Ausschreibung noch immer 80 Prozent der Aufträge in der Region verblieben, erklärte Pieroth damit, daß in der Hauptstadt frühzeitig Transparenz über die zu erwartenden Aufträge hergestellt werde.Kleine Unternehmen hätten so genügend Zeit, sich zu Bietergemeinschaften zusammenzuschließen."Wir halten uns strikt an die europäischen Ausschreibungsregeln, aber ich bin nicht verpflichtet, Transparenz in diesem Maße genauso früh in Madrid oder München herzustellen" beschrieb Pieroth den Heimvorteil der Berliner Industrie. Der Senator kritisierte Prognosen, wonach bis zum Jahre 2000 zwischen 6000 und 7000 Arbeitsplätze bei den vier Anstalten abgebaut werden sollen.Über den Stellenabbau könne man noch nichts sagen, da alle Betriebe massiv neue Geschäftsfelder erschließen.Der strategische Dialog solle der Diversifikation neue Impulse geben. Als Beispiel für die Innovationskraft der öffentlich-rechtlichen Anstalten nannte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, Bertram Wieczorek, das System der "grablosen Technik" beim Rohleitungsbau.Das in Berlin entwickelte System habe sich zum Exportschlager entwickelt und werde bereits in Städten wie Mexico-City, Prag oder Budapest eingesetzt.Arnold Guski, Vorstandsmitglied der Berliner Stadtreinigungsbetriebe verwies darauf, daß das Entsorgungs-Knowhow der BSR bereits in Moskau und Petersburg nachgefragt werde, im Consulting-Geschäft seien weitere Zuwächse zu erwarten.Auch Rüdiger vorm Walde, Vorstandsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), betonte ebenfalls "die enorme Wertschöpfung" seines Unternehmens in der Hauptstadt.Der bislang sozialverträgliche Abbau auf zur Zeit 19 000 Stellen bei der BVG müsse auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Marktliberalisierung gesehen werden."Wir haben die Idee, bundes- und EG-weit tätig zu werden, das kann man nur mit einem gesunden, fitten Unternehmen", sagte vorm Walde.Die BVG hat zur Zeit einen Zuschußbedarf von einer Mrd.DM.Ab 1999 soll die BVG in Berlin gänzlich dem freien Wettbewerb ausgesetzt werden.

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