Wirtschaft : Ökonomen an Spree und Havel kooperieren

Institute und Universitäten in Berlin-Brandenburg gründen Arbeitskreis BERLIN.Leere Kassen können Ökonomen inspirieren: Angesichts der Sparzwänge im Bildungsbereich haben sich nun Wirtschaftswissenschaftler im Raum Berlin-Brandenburg entschlossen, enger zusammenzuarbeiten.Das gilt nicht nur für die Universitätsprofessoren, sondern auch für die Forscher verschiedener Wirtschaftsinstitute.Zum ersten Mal setzten sich zu diesem Zweck rund 40 Ökonomen am Donnerstag an einen Tisch.Besondere Ziele hegt dieser Arbeitskreis "Berlin-Brandenburgischer Wirtschaftswissenschaftler" bisher noch nicht, außer das man das "beachtliche Forschungspotential" in der Region nutzen will.Darunter verstehen die Ökonomen nicht nur den Austausch von Erkenntnissen.Sie wollen überdies fremde Forschungseinrichtungen verstärkt anzapfen.Ihre erste offzielle Zusammenkunft galt jetzt dem Thema Arbeitsmarkt.Unter anderem sinnierten Wirtschaftsprofessoren der drei Berliner Universitäten sowie der Universität Potsdam und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) mit Vertretern bedeutender Wirtschaftsforschungsinstitute im Raum Berlin-Brandenburg über die Frage, wie die Wirtschaftswissenschaft bei der Lösung arbeitsmarktpolitischer Probleme aktiver mithelfen könne als bisher. Daß sie zusammengekommen sind, hat nicht zuletzt der Wissenschaftsrat bewirkt, der jüngst einige Institute in der deutschen Bildungslandschaft kritisiert und empfohlen hatte, sie von der "Blauen Liste" zu streichen, weil sie - als Forscher oder als Dienstleister - nicht genügend leisteten.Zwar droht in der Region Berlin-Brandenburg keiner wirtschaftswissenschaftlichen Einrichtung das Aus.Dennoch verstehen die Mitglieder des Arbeitskreises die Empfehlungen des Wissenschaftsrates offenbar als Ansporn, auch ihren Dienst an der Forschung besser zu erfüllen.Schon zur Eröffnung der Runde sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Lutz Hoffmann: "Wir müssen die Effizienzpotentiale in dieser Region so gut wie möglich nutzen." Den Berlin-Brandenburgischen Ökonomen geht es also nicht nur darum, ihre Erkenntnisse im wissenschaftlichen Tète-à-Tète miteinander auszutauschen, sondern um ihre Rolle in der Gesellschaft überhaupt.An diesem Tage untersuchte Friedrich Buttler, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur das Verhältnis zwischen Politik und Ökonomie in der Diskussion über den Arbeitsmarkt.Schwierig sei es nicht, meinte er.Allerdings habe der Arbeitsmarkt eine Besonderheit.Wenn Angebot und Nachfrage an Arbeit nicht übereinstimmten, dann signalisiere dies das "zutiefst verletzte Ziel der Wirtschaftspolitik".Darauf aber müßten Wirtschaftswissenschaftler anders reagieren, als dies üblicherweise der Fall sei.Bisher würden allenfalls "hochbezahlte Professoren dieser Fachrichtung mit dem Ziel der Politikberatung gern öffentlich darüber räsonieren, wie wenig andere Menschen verdienen sollten, wenn sie denn Beschäftigung wünschten".Das aber helfe niemandem und bringe die Forschung keinen Schritt weiter. DIW-Präsident Hoffmann widersprach.Seiner Meinung nach hat die Arbeitsmarktforschung ein anderes Problem.Nach wie vor gebe es in der Frage, wie Arbeitslosigkeit zu verhindern sei, nämlich zwei Lager: die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer.Das sei auch bei Professoren so, und damit habe das Thema stets eine "politisierte" Note."Das gibt es sonst nirgends." Seit Beginn der 60er Jahre schieden sich die Geister in Debatten über den Arbeitsmarkt zudem in der Frage, wie denn Arbeit - und Einkommen - zu verteilen seien.Die Beschäftigung mit Verteilungsfragen, fügte Hoffmann hinzu, sei aber ein "Ausdruck von Neidkomplexen". Darauf meinte wiederum Buttler, auch in der Debatte um die Gesundheitspolitik oder die Soziale Sicherung gebe es ähnliche Lager.Eine lebhafte Diskussion entstand, und Väth, Vize-Präsident der Freien Universität Berlin, behielt recht.Er hatte zu Beginn dieses Tages betont, beim Thema Arbeitsmarkt müsse niemand sagen: "Dazu fällt mir nichts mehr ein." VANESSA LIERTZ

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