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Ölförderung : „Die Arktis lässt sich nicht bezwingen“

05.01.2013 00:00 Uhrvon
In Seenot. Die Bohrinsel Kulluk des Shell-Konzerns ist auf Grund gelaufen. Fachleute sollen jetzt den Schaden untersuchen und eine Umweltverschmutzung verhindern. Bis zum Freitagabend soll kein Öl ausgetreten sein. Foto: ReutersBild vergrößern
In Seenot. Die Bohrinsel Kulluk des Shell-Konzerns ist auf Grund gelaufen. Fachleute sollen jetzt den Schaden untersuchen und eine Umweltverschmutzung verhindern. Bis zum... - Foto: Reuters

Nach der Havarie der Bohrinsel Kulluk kritisieren Umweltschützer die Ölsuche im Arktischen Ozean. Shell will riesige Vorkommen ausbeuten.

Die Havarie der Ölbohrinsel Kulluk im Golf von Alaska ist für den Mineralölkonzern Shell ein herber Rückschlag. Und zwar auch dann, wenn sie ohne größere Umweltschäden verläuft. Umweltschützer sehen in dem Unglück einen weiteren Beleg dafür, dass die Ölförderung im Eismeer gewaltige Risiken birgt.

Der Mineralölkonzern Shell steht an der Spitze derer, die den Arktischen Ozean für Öl- und Gasgewinnung nutzen wollen. Dazu ist die Kulluk eine von zwei Bohrinseln, die Shell im Sommer für Probebohrungen in der Tschuktschen- und Beaufort-See an der Küste Alaskas eingesetzt hat. Nachdem Shell die Arbeiten Anfang Oktober eingestellt hatte, sollte die Kulluk jetzt durch die Beringstraße nach Süden geschleppt werden, um sie in einer Werft in Seattle überholen zu lassen.

An den Weihnachtstagen geriet sie jedoch in einen heftigen Sturm. Den Berichten zufolge riss bei hohem Seegang das Schlepptau zwischen der Kulluk und dem Zugschiff. Am Silvesterabend lief die Bohrinsel dann an der Insel Sitkalidak südlich der Kodiak-Insel auf Grund.

Am Donnerstag wurden Fachleute auf der Bohrinsel abgesetzt, um den Schaden zu untersuchen und die Verseuchung der Umwelt zu verhindern. An Bord der Kulluk lagern 540 000 Liter Dieseltreibstoff und rund 45 000 Liter Schmier- und Hydrauliköl. Nach bisherigen Berichten scheint bislang kein Öl ausgetreten zu sein. Der Havarieort liegt etwa 500 Kilometer südwestlich des Prince William Sounds, wo sich 1989 die Ölkatastrophe der Exxon Valdez ereignet hatte.

Der Shell-Konzern verteidigt derweil die Offshore-Ölförderung in Alaska: „Wir wissen, wie man in Regionen wie dieser arbeitet“, zitierte die Tageszeitung Anchorage Daily News Unternehmenssprecher Curtis Smith. Aus Zwischenfällen wie der Havarie der Kulluk werde man lernen.

Ed Markey, Vertreter der Demokraten in dem für Bodenschätze zuständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses, meinte dagegen: „Die Ölunternehmen sagen, dass sie die Arktis bezwingen können, aber die Arktis ist einer anderen Meinung.“ Nach einer Reihe von Zwischenfällen sei klar, dass die Ölkonzerne derzeit in der Arktis nicht sicher bohren könnten. Eine Ausweitung der Bohrungen „könnte sich als desaströs für diese sensible Umwelt erweisen“, sagt Markey.

Der Unfall der Kulluk hat damit die Debatte über die Sicherheit der Ölsuche in der Arktis neu angefacht und die Frage aufgeworfen, was im Arktischen Ozean passieren kann, wenn nicht einmal das Abschleppen der Bohrinsel in südlicheren Gewässern sicher ist. Denn die Havarie war nicht der erste Rückschlag für Shell. Technische Probleme mit einem Öl-Bergungsschiff führten etwa im vergangenen Sommer dazu, dass Shell zwar den Meeresboden anbohren, aber nicht in ölführende Schichten vordringen konnte.

Mit dem Schwund des Meereises durch Klimawandel ist das Interesse an der Ölförderung im Eismeer gestiegen. Das US-Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) vermutet im äußeren Kontinentalschelf Alaskas unentdeckte, technisch abbaubare Ölreserven von 26 Milliarden Barrel und Gasreserven von 3,7 Billionen Kubikmeter. Shell hatte 2008 für zwei Milliarden US-Dollar Förderlizenzen erworben und annähernd fünf Milliarden Dollar in die Bohrungen investiert. Während die Ölreserven auf Alaskas Festland schwinden und die Trans-AlaskaPipeline weit unter ihrer Kapazität betrieben wird, hoffen Unternehmen wie Shell, BP und Conoco Phillips, mit Offshore-Öl die Pipeline auslasten zu können.

Kritiker der Ölsuche verweisen darauf, dass heftige Stürme wie jetzt im Golf von Alaska auch die Tschuktschen- und Beaufort-See prägen. Die beiden Randmeere des Arktischen Ozeans sind nur wenige Monate im Sommer nicht eisbedeckt, aber selbst dann treiben häufig große Eisflächen in diese Gebiete, die die Bohrinseln gefährden können. Umweltschützer bezweifeln, dass unter diesen Bedingungen sicher Öl gefördert werden kann. Sie verweisen auch darauf, dass das Gebiet Lebensraum von Eisbären, Walen, Robben und Meeresvögeln ist.

Beaufort- und Tschuktschen-See gehören nach Angaben der PEW Environment Group zu den „wildesten und abgelegensten Ökosystemen der Welt“. Die Organisation sieht erhebliche Lücken in den Sicherheitsplänen. „Es gibt keine getestete Ausrüstung für die Reaktion auf eine Ölpest unter diesen Bedingungen“, meinte Eleanor Huffines von Pew’s US Arctic Program. Einige Konsequenzen aus dem Deepwater-Horizon-Unglück im Golf von Mexiko seien gezogen worden. Die größte Herausforderung, der Mangel an Infrastruktur in den abgelegenen Regionen, bestehe aber weiter.

„Dieses neueste Missgeschick ist eine schmerzliche Erinnerung daran, dass arktische Bohrungen einfach nicht sicher sind“, sagte Deirdre McDonnell vom Center for Biological Diversity. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum Präsident Barack Obama die Ölbohrungen im Eismeer erlaubt habe. Die Naturschutzorganisation WWF sieht in dem Unfall ebenfalls einen „Weckruf“ und argumentiert, der Ansturm auf Alaskas Öl sei „gefährlich und unverantwortlich“. Shell habe in den letzten Monaten durch mehrere Zwischenfälle gezeigt, dass es auf Notfälle nicht vorbereitet sei. „Die Bundes- und Staatsbehörden sollten diese Pannen als ernste Warnung nehmen, ihre Haltung zu Offshore-Bohrungen in Amerikas Arktis zu überdenken“, meinte WWF-Direktorin Margret Williams.

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