Wirtschaft : ÖTV-Chef Lange soll in den Bewag-Vorstand

Anteilseigner offenbar einverstanden

BERLIN (dw).Berlins langjähriger ÖTV-Chef Kurt Lange soll Vorstandsmitglied des Stromversorgers Bewag werden.Die Arbeitnehmerseite im Bewag-Aufsichtsrat schlug Lange am Freitag einstimmig als Nachfolger für den kürzlich ausgeschiedenen Arbeitsdirektor und Personalvorstand Michael Pagels vor.Wie der Sprecher der Gewerkschaft ÖTV, Ernst-Otto Kock, erklärte, rechnet man nicht mit einem Gegenkandidaten der Arbeitgeberseite.Falls der paritätisch besetzte Aufsichtsrat des Berliner Energieversorgers auf seiner Sitzung am 15.Dezember mit Zweidrittel-Mehrheit zustimmt, würde Kurt Lange den Vorsitz der Gewerkschaft Öffentliche Dienste Transport und Verkehr in Berlin nach zehn Jahren im Amt niederlegen. Wie Manfred Schwarze, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums mitteilte, wolle Lange als künftiger Arbeitsdirektor der Bewag dafür kämpfen, daß es auch über das Jahr 2002 hinaus keine betriebsbedingten Kündigungen bei der Bewag gibt.Bislang sind betriebsbedingte Entlassungen nur bis zum 31.Dezember 2002 tarifvertraglich ausgeschlossen.Darüberhinaus stehe Lange für die Position, daß der Bewag-Arbeitsdirektor auch künftig für die beiden Vorstandsbereiche Personal und Organisation zuständig sein solle. Kock betonte, daß die Kandidatur Langes "kein Seitenwechsel" sei.Er wäre zwar als Vorstandsmitglied der Bewag in besonderem Maße auch der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens verpflichtet.Eigentlicher Inhalt des Amtes sei es jedoch, die im Mitbestimmungsgesetz von 1976 festgelegte besondere Verantwortung der Arbeitnehmerseite für die Unternehmensführung wahrzunehmen.Das Vorschlagsrecht der Gewerkschaften für den Posten des Arbeitsdirektors sei im ganzen Bundesgebiet üblich.Die Nominierung Kurt Langes schaffe die Voraussetzung, "daß der Vorstand der Bewag im wichtigen Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung mit einer aus ihrer Sicht besonders geeigneten Persönlichkeit komplettiert wird." Ob der Aufsichtsrat der Bewag, der mit je zehn Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber besetzt ist, der Kandidatur Langes (Foto: Olaf Jahnke/Caro) mit Zweidrittel-Mehrheit zustimmen wird, ist noch ungewiß.In dem neu gewählten Gremium sind vier Vertreter des US-Großaktionärs Southern Company vertreten.Southern-Repräsentant Barney Rush dürfte am 15.Dezember den Aufsichtsratsvorsitz der Bewag übernehmen.Zudem fordert Southern Company, einen ihrer Vertreter auch als fünftes Vorstandsmitglied zu berufen.Lange galt während der Privatisierung jedoch als scharfer Gegner der US-Beteiligung an der Bewag.ÖTV-Gewerkschaftssekretär Kock betonte jedoch, man hoffe, daß sich die Amerikaner der Vorteile der Mitbestimmungsgesetzgebung bewußt sind und sich auch die "Mitbestimmungskultur der Bewag aneignen".Tatsächlich erfuhr der Tagesspiegel aus Branchenkreisen, daß es auf der Seite der Anteilseigner Veba, Viag und Southern Company voraussichtlich "keine Probleme" mit der Ernennung Kurt Langes gebe.

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