Wirtschaft : Ohne Rolls nach oben

Nach geplatztem Deal greift VW nun ins eigene Markenreservoir DÜSSELDORF (grü/HB).Für den schlechtesten Fall der Fälle hatte Volkswagen-Konzernchef Dr.Ferdinand Piëch vorgesorgt: Wenn der Rolls-Royce-Deal scheitern sollte, gab der umtriebige Automanager erst vor ein paar Tagen bekannt, werde VW aus eigener Kraft das Luxusauto-Segment ansteuern.Gleich von zwei zusätzlichen Marken war die Rede, die die Wolfsburger der etablierten Konkurrenz entgegensetzen wollen. Daß Journalisten irgendwann einmal den Namen Horch ins Spiel brachten, war Piëch durchaus recht.Die Uraltmarke, deren Rechte ungenutzt bei der VW-Tochter Audi schlummern, zählte vor weit mehr als einem halben Jahrhundert zu den anerkannten Größen im Automobilbau.Ein Wiederaufleben, so wie es Daimler mit seinem Label Maybach vorhat, wäre also gar nicht so abwegig, wenngleich die Aussprache des Namens Horch im angelsächsischen und asiatischen Raum problematisch ist. Bis es soweit ist, pflegen die Wolfsburger ihr gewohntes Baukasten-Prinzip.Das heißt, vorhandene Modell-Plattformen werden munter mit bestehenden oder neuen Motoren kombiniert.Klar, daß sich die größte der modernen VW-Bodengruppen, der Passat, am ehesten eignet, eine geräumige Luxuslimousine zu komponieren.Mit Hochdruck arbeiten die Entwickler unter strenger Aufsicht Piëchs an Acht- und Zwölfzylinder-Aggregaten.Damit der Vorstandschef seinen Ruf als genialer Visionär wahren kann, hat in Wolfsburg niemand etwas dagegen, wenn Geschichten über angeblich fast fertige 16- und 20-Zylinder-Motoren die Runde machen. Eine erweiterte Passat-Plattform, konzernintern D1 genannt, einige stilistische Unterscheidungsmerkmale wie markantere Rückleuchten, und ein Achtzylindermotor dürften äußere Kennzeichen des künftigen VW-Beitrags in der automobilen Oberklasse sein.Bis darüber ein weiteres, noch exklusiveres Fahrzeug angesiedelt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Schneller als erwartet könnte sich Volkswagen dagegen einen Namen im Motorsport machen.Zwar bleibt es auch hier Daimler und BMW (ab 1999) vorbehalten, als einzige deutsche Vertreter in der Königsklasse Formel Eins vertreten zu sein, darunter bleibt jedoch genügend Platz für die Wolfsburger.Die beiden Sportwagenstudien, die sie in Tokio und beim Genfer Autosalon präsentierten, dokumentierten die Entschlossenheit der Marke, sich künftig im Motorsport zu engagieren.Nach dem geplatzten Rolls-Deal richten die Wolfsburger für den Rest des Jahres ihre Aufmerksamkeit aufs untere Ende der Modellpalette: Mit dem Lupo nimmt VW Kurs auf das vielzitierte Dreiliter-Auto.Dieses ehrgeizige Vorhaben hat jedenfalls gute Chancen auf Verwirklichung.

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