Wirtschaft : Olympia hautnah im Reisspeicher

Ein Berliner Unternehmer lädt Sportler und Sponsoren in den „Champions Club Beijing“

Alexander Visser

Peking - Zwischen den modernen Hochhäusern im zentralen Pekinger Stadtteil Dongcheng wirkt der historische Reisspeicher anheimelnd. Chinesische Lampions weisen den Weg zum Eingang des Backsteinbaus. Dicke Balken tragen das Holzdach, blaues Licht sorgt für Lounge-Atmosphäre. Hier im „Champions Club Beijing“ will ein Berliner Unternehmer während der Olympischen Spiele deutsche Sportfans und Firmenvertreter mit den Berliner Athleten des deutschen Teams zusammenbringen. Am Samstag feierten Sponsoren und Gäste die Eröffnung des Berliner Hauses in der Olympiastadt.

„Wir bieten deutschen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Kunden Olympia hautnah erleben zu lassen und die deutschen Athleten persönlich kennen zu lernen“, sagt Martin Seeber, Geschäftsführer der Firma Top Sportmarketing. Der Initiator des Champions Club vermarktet den Berliner Olympiastützpunkt und hat beste Kontakte in die Sportszene. „Berlin wird mit rund 50 Sportlern bei den Spielen vertreten sein“, sagt Jochen Zinner, Leiter des Berliner Olympiastützpunkts. „Es dürfte kaum eine andere Metropole geben, die so viele Sportler nach Peking schickt.“

Athleten wie Schwimmerin Britta Steffens, Diskuswerfer Robert Harting oder Hockeyspielerin Natascha Keller werden in der Sportlounge erwartet. Besucher zahlen vor Ort 150 Euro Eintritt, um mit ihnen Siege zu feiern oder Niederlagen zu verarbeiten. Daneben bietet Seeber Vip-Reisen ab 3000 Euro, die Flug, Olympiatickets, Hotel und Champions Club beinhalten. „70 Prozent der Reisepakete sind bereits verkauft“, sagt Seeber. Rund eine Million Euro hat er nach eigenen Angaben investiert. Der Konflikt um Tibet in den vergangenen Wochen habe die Sponsorensuche aber erschwert. „Einige waren verunsichert“, sagt er. Die Sportmarke Puma, Swissotel und Berliner Firmen wie Getränke Hoffmann, Berliner Pilsener und Air Berlin sind jedoch dabei geblieben. „Für uns ist der Champions Club eine gute Gelegenheit, auf unsere neue Verbindung nach Peking aufmerksam zu machen“, sagt Dieter Hofele, Vertreter von Air Berlin in Peking. Die Fluggesellschaft bietet seit Anfang Mai eine Verbindung von Düsseldorf in die chinesische Hauptstadt an. „Hier können wir die für jede Fluggesellschaft wichtigen Geschäftskunden ansprechen – und das in einer sehr angenehmen Umgebung.“

Die geladenen Berliner Firmenvertreter freuen sich schon auf das Sportfest. „Das wird eine angenehme Alternative zum Deutschen Haus, wo man 480 Euro zahlen muss, um die Sportler aus der Nähe zu sehen”, sagt Henri Garbers, Vertreter der Berliner Imageberatungsagentur Metadesign in Peking. Das Deutsche Haus im Hotel Kempinski ist die offizielle Adresse des Deutschen Sportbundes während der Spiele.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), derzeit auf einer einwöchigen Reise in China unterwegs und Ehrengast bei der Eröffnung, freut sich über die Werbung für Berlin als Sport- und Wirtschaftsstandort. „Ich hoffe, hier ergeben sich viele Kontakte, die über die Olympischen Spiele hinausgehen“, sagt er. Er selbst wird hier aber keine Kontakte knüpfen. Gefragt, ob er die Spiele besuchen werde, sagt er: „Ich lasse mich durch den Regierenden Bürgermeister vertreten.“Alexander Visser

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