Wirtschaft : Online-Banken: Börse verhagelt Direktbanken das Geschäft

Tobias Symanski

Diese Woche schlägt die Stunde der Wahrheit für die großen drei Direktbanken in Deutschland. Bereits am Dienstag läutete Consors die zweite Verlustrunde im laufenden Geschäftsjahr ein. Nun werden für Comdirect und Direktanlagebank (DAB) ebenfalls rote Zahlen erwartet. Consors verbuchte im zweiten Quartal einen Verlust nach Steuern von 20 Millionen Euro. Damit stieg der Verlust im ersten Halbjahr auf knapp 36 Millionen Euro. "Mit dem Halbjahresergebnis können wir nicht zufrieden sein", sagte Consors-Chef Karl Matthäus Schmidt. Bessere Zeiten sind nicht in Sicht. Consors geht davon aus, dass sich der Verlust bis zum Jahresende verdoppeln wird.

Weder Anleger noch Analysten waren überrascht. Der Aktienkurs verharrte bei rund 15 Euro. Vor zwölf Monaten endete der Höhenflug der Consors-Papiere bei 140 Euro. Ähnlich abwärtsgerichtet sieht der Kursverlauf bei DAB und Comdirect aus. Wie Consors mussten auch die beiden Konkurrenten bereits im ersten Quartal herbe Verluste einstecken. Bei Comdirect lag das Nachsteuerergebnis bei minus 19,8 Millionen Euro, die DAB verzeichnete einen Vorsteuerverlust von 36 Millionen Euro. Mit weiteren Einbußen ist zu rechnen. So erwartet die Münchner Privatbank Merck Finck & Co für das zweite Quartal bei Comdirect ein Minus von 25 Millionen Euro (EBT), die DAB werde vor Steuern einen Verlust von 38 Millionen Euro verbuchen. Während Merck Finck & Co Consors und DAB mit "Neutral" bewertet, empfiehlt die Bank Comdirect zum "Verkauf".

Das schwache Auftreten der Online-Banken hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen kosten die Expansion ins Ausland und das Werben von Neukunden jede Menge Geld. Zum anderen halten sich die Anleger derzeit lieber von der Börse und dem Neuen Markt fern. Das zeigt auch der Einbruch bei den Transaktionszahlen von Consors. Im ersten Quartal lag die Zahl der Aktienhandelsaufträge noch bei 2,5 Millionen Stück (4,6 Aufträge pro Kunde), drei Monate später waren es nur 1,8 Millionen (3,3). Durch die fehlenden Provisionsüberschüsse aus dem Wertpapierhandel brach Consors also ein gutes Stück der Haupteinnahmequelle weg.

Bei der Expansion ins europäische Ausland verspürt vor allem Comdirect Nachholbedarf. Da die Bank anders als die Wettbewerber keine eigenen Aktien als Akquisitionswährung einsetzt, muss sie ihre Engagements in Frankreich, Großbritannien oder Italien in Cash bezahlen. Die WestLB schätzt, dass im Jahr 2001 pro Neukunde 725 Euro ausgegeben werden. "Viel zu hoch", findet Johannes Thormann, Spezialist für OnlineBroker bei der WestLB. Für Consors rechnet Thormann "nur" mit knapp 500 Euro Marketingkosten pro Neukunde. Der Analyst erwartet, dass nur wenige Online-Broker den europäischen Wettbewerb überleben werden, darunter die Bipop-Carire-Tochter Entrium, Consors, Comdirect und DAB.

Bereits jetzt vereinten die drei deutschen Marktführer rund 60 Prozent der Kunden auf sich und führten 80 Prozent der Transaktionen aus. Thormann schätzt, dass die Kundenzahl im Online-Brokerage bis zum Jahr 2003 in Deutschland auf fünf Millionen steigt, wobei der Löwenanteil an die drei Großen gehen dürfte.

Anleger, die den Sektor der Direktbanken positiv einschätzen, müssen einiges Durchhaltevermögen mitbringen, warnt der Analyst. "Wer in Online-Broker investieren will, muss erst einmal an eine Markterholung glauben und das Jahr 2001 abhaken." Consors (Kursziel: 29 Euro) und DAB Bank (Kursziel: 31 Euro) sind für Thormann "Kauf"-Kandidaten. Auch Comdirect bewertet er als "Outperformer". Obwohl sie der schwächste der drei Kandidaten sei, erwartet er noch eine überdurchschnittliche Kursentwicklung.

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