Online-Speicherdienst : Apple auf Wolke i

Steve Jobs stellt einen neuen Online-Speicherdienst vor. "iCloud" soll zu einer Art Drehscheibe für die Daten der Nutzer werden. Dem Aktienkurs von Apple hilft das nicht.

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Lion (Löwe) heißt das neue Betriebssystem von Apple, das Steve Jobs und seine Kollegen in San Francisco vorstellten. Foto: AFP
Lion (Löwe) heißt das neue Betriebssystem von Apple, das Steve Jobs und seine Kollegen in San Francisco vorstellten.Foto: AFP

Berlin - Die Botschaft war sehr direkt – und sie kam beim Publikum an. Vor dem Auftritt von Steve Jobs erklang der James-Brown-Klassiker „I feel good“ aus den Lautsprechern des Moscone Centers in San Francisco. Dort stellte Apple am Montag seine Neuheiten vor. Und obwohl Konzern-Chef Steve Jobs seit Januar wegen gesundheitlicher Probleme eine Auszeit nehmen muss, ließ er sich den Auftritt auf der Entwicklerkonferenz nicht nehmen. Offenbar war es ihm und Apple wichtig zu zeigen, dass er sich gut fühlt.

Jobs teilte sich die Vorstellung neuer Betriebssysteme für Mac-Computer und iPhones sowie des neuen Online-Speicherdienstes mit anderen Managern. Etwa 20 Minuten der insgesamt zwei Stunden dauernden Präsentation stand Jobs aber selbst auf der Bühne – und sah dabei noch etwas magerer aus als zuvor.„Heute ist es wirklich ärgerlich und frustrierend, alle deine Informationen und Inhalte über alle Geräte hinweg aktuell zu halten“, beklagte sich Jobs. Früher habe einmal der Computer im Zentrum gestanden. Das sei nun Vergangenheit, sagte Jobs. Inzwischen hätten Menschen Mobiltelefone, Notebooks und andere mobile Rechner auf denen sie Fotos, Musik, Adressen und Dokumente speichern.

Apples Lösung um das Datenchaos zu beherrschen, heißt iCloud – die Speicherung sämtlicher Daten im Netz. Mit dem Dienst lassen sich die Informationen auf den verschiedenen Geräten austauschen und synchronisieren. „Einige Menschen denken, die Datenwolke ist nur eine Festplatte“, sagte Jobs. „Wir glauben, dass sie mehr ist.“ iCloud soll zu einer Art Drehscheibe für die Daten der Nutzer werden.

Derzeit geben IT-Konzerne wie Google, Microsoft oder Apple Milliarden aus, um Dienste aus der Cloud (zu deutsch Wolke) anbieten zu können. Dafür werden Programme und Daten nicht mehr lokal beim Kunden abgespeichert. Die Software läuft vielmehr auf großen Servern irgendwo auf der Welt und der Nutzer kann von überall über das Internet zugreifen. Apple hat dafür gerade ein drittes Rechenzentrum in Maiden in North Carolina in Betrieb genommen. Stolz zeigte Jobs zum Ende seines Vortrags Bilder des 500 Millionen Dollar teuren Investments.

Die Apple-Konkurrenten Google und Amazon haben bereits ähnliche Dienste für das Speichern von Musik vorgestellt, die zum Teil Startschwierigkeiten hatten. Steve Jobs betonte daher selbstbewusst, was Apple anbiete, funktioniere auch. iCloud soll ab Herbst verfügbar sein.

Marketing-Chef Phil Schiller kündigte die achte Version des Mac-Betriebssystems OS X mit der Bezeichnung Lion (Löwe) für Juli an. Der Preis soll bei rund 24 Euro liegen. Lion biete mehr als 250 neue Funktionen, sagte Schiller. Dabei überträgt Apple etliche Bedienfunktionen vom Tablet-Computer iPad auf Notebooks und Schreibtischrechner. Apple-Vizepräsident Scott Forstall stellte iOS 5 vor, eine neue Software für die mobilen Gerate iPhone, iPad und den Musikspieler iPod touch. Zu den Neuerungen gehören auch Funktionen, die Nutzer bisher von mobilen Geräten mit dem konkurrierenden System Android von Google kennen. IOS 5 soll im Herbst zu haben sein.

Steve Jobs Auftritt auf der Konferenz, zu der mehr als 5000 Entwickler kamen, war mit großer Spannung erwartet worden. Der charismatische Unternehmensgründer gilt als kreativer Kopf hinter den Erfolgsprodukten des Unternehmens wie iPhone oder iPad. Entsprechend nervös reagierten Fans und Anleger auf die Nachricht vom Januar, dass Jobs wegen gesundheitlicher Probleme erneut pausieren muss. Er hat bereits eine Krebserkrankung und eine Lebertransplantation hinter sich. Nachdem sein Kommen vergangene Woche angekündigt wurde, legte die Aktie um knapp zwei Prozent zu. Am Montagabend verlor sie jedoch mehr als 1,5 Prozent. Womöglich vermissten Investoren die Ankündigung neuer Produkte wie etwa eines neuen iPhones, über das zuvor spekuliert worden war. mit dpa

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